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Eschede Flagge zeigen gegen Nazi-"Brauchtum"
Celler Land Eschede Flagge zeigen gegen Nazi-"Brauchtum"
18:36 30.09.2018
Weniger Teilnehmer als sonst nahmen an der Mahnwache teil. Ein Großteil fuhr zur Demo nach Hamburg. Vor Ort blieb es an diesem Tag ohnehin ruhig und auf Hof Nahtz schien es am Samstag keine Feier zu geben. Quelle: Birgit Stephani
Eschede

"Wir wollen Flagge zeigen, zeigen, dass wir da sind", sagt Wilfried Manneke. Zusammen mit seinen Mitstreitern des Netzwerks Südheide gegen Rechtsextremismus hat er am Samstag Position bezogen an der Hermannsburger Straße. Gegenüber geht es zum Hof des NPD-Aktivisten Joachim Nahtz, auf dem immer wieder Feste von Neonazis, sogenannte "Brauchtumsfeiern", stattfinden. An diesem Samstag allerdings ist es ruhig und wie die ebenfalls anwesende Polizei den Demonstranten berichtet, sind auf der Hofstelle keine Aktivitäten zu vernehmen.

Auch für die Netzwerker ist es eher ruhig. Sie sind in kleinerer Besetzung vor Ort. Ein Großteil der Mitglieder und Unterstützer ist an diesem Tag nach Hamburg zur Großdemo gegen Fremdenhass, Ausgrenzung und Rassismus gefahren. Der harte Kern der Menschen, die sich im Netzwerk Südheide zusammengefunden haben allerdings hält Mahnwache an der Landesstraße 281.

Dabei liegen die Themen der Demos in Hamburg und Eschede gar nicht so weit auseinander. Auch in Eschede hat man sich an diesem Tag das Thema "Geflüchtete und Recht auf Asyl" auf die Fahnen geschrieben.

"Rechtsextremismus ist immer mehr in die Mitte der Gesellschaft gerückt", erklärt Hans-Dietrich Springhorn, der an diesem Tag ein auf den ersten Blick provokantes Plakat aufgehängt hat. "Macht's nochmal – Nahtz-Hof abfackeln" ist da zu lesen und verwirrt erstmal, denn es wirkt wie eine Aufforderung zur Straftat. Das ist natürlich nicht gemeint, denn die Escheder Demonstranten wollen eine friedliche Mahnwache. "Das Plakat spielt auf eine Aufräumaktion der Rechten selbst an, bei der auf dem Hof aufgeräumt wurde, dann ein Feuer gemacht wurde und der Funkenflug Teile des Hofes in Brand gesetzt hat", erklärt Springhorn. "Wir dachten damals, damit habe sich das Problem selbst erledigt", ergänzt Manneke. Wie sie heute wissen, ist das aber nicht so gewesen. Die NPDler haben den Hof mit viel Eigenleistung wieder so weit aufgebaut, dass es dort wieder eine Infrastruktur gibt, die es sogar erlaubt, dort NPD-Landesparteitage abzuhalten. Sogar eine Halle soll neu gebaut worden sein, wissen manche Mitstreiter zu berichten. "Das Thema ist also lange noch nicht beendet", so das Fazit von Manneke und Springhorn. "Deswegen stehen wir immer dann hier, wenn dort Feiern stattfinden könnten."

Etwas traurig sind alle Demonstranten darüber, dass sich die örtliche Politik weitestgehend aus dem Thema heraushält. "Die scheinen sich damit arrangiert zu haben", meint Manneke. "Dabei leben wir hier doch im Grunde mit den Nazis Tür an Tür. Wir wissen, wo die wohnen, und genauso wissen die, wo wir wohnen." Gespürt hat er das bereits mehr als einmal am eigenen Leib. Genauso wie bei Springhorn und anderen Aktiven wurden die Häuser bereits mehrfach mit Farbbeuteln beworfen. "Manchmal hat man auch eine tote Ratte im Briefkasten", beschreibt Manneke seinen Kampf. Allerdings weiß er auch: "Wer sich den Nazis in den Weg stellt, muss mit Gegenwehr rechnen." Und eins ist für alle klar: Einschüchtern lassen sie sich nicht.

Von Birgit Stephani

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