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Eschede Großstädter mit Herz für Esel
Celler Land Eschede Großstädter mit Herz für Esel
11:37 02.01.2017
Rebberlah

Der 56-jährige Legge kommt aus Hamburg. Dass er als Städter mal mit „Viehzeug“ zu tun hat, damit habe er nicht gerechnet, sagt er heute. 1997 verschlug es ihn ins Celler Land – „der Liebe wegen“. Acht Jahre wohnte er dann in Rebberlah, einen knappen Steinwurf von der Weide entfernt, auf der jetzt Klaus und Schaf, Charlie und Rübe leben.

2004 starb Legges Schwiegervater und hinterließ einen grauen Esel. Er hatte ihn vor bald 30 Jahren von einem Wanderzirkus bekommen. Auf 45 Jahre schätzt Legge das Alter des Grautiers. Legge hatte damals drei Ponys. Sie lebten mit dem Esel zusammen, weil zwei Ponys immer wegliefen, verkaufte Legge sie. Als dann das noch verbliebene Pferd starb, stand Klaus allein auf der Weide und ließ den Kopf hängen. „Der braucht wieder Begleitung“, rieten ihm Eselfreunde. Frau und Kinder stimmten zu, Legge kaufte eine Eselin namens Veronika.

Der Schausteller legte sich noch weitere Esel zu. Der weiße namens Schaf, der so genannt wurde, weil ihm die lange Mähne über die Augen fiel, war damals noch ganz klein. Heute ist er etwa sechs Jahre alt. Charlie ist gescheckt, ebenso Rübe, die Stute wurde vor zwei Jahren geboren. Ihre Mutter starb später.

Charlie ist das Leittier der kleinen Eselfamilie, auch wenn Klaus, der zu den marrokanischen Lasteseln zählt, etwas größer ist. „Esel sind leicht zu halten“, sagt Legge. Im Winter bleiben sie draußen, die Kälte macht ihnen nichts aus, bei Regen können sie sich in einen Unterstand zurückziehen, in dem sie auch schlafen. Ein Tier ist aber immer an der Tür und passt auf. Nur wenn knackige Temperaturen herrschen, kommen sie in den Stall, wo es für sie Boxen gibt.

Legge hat keine Sorge, dass Wölfe, die auch um Rebberlah streifen, seinen Eseln etwas tun könnten. Esel seien keine Fluchttiere wie Pferde, sie würden sich verteidigen. Sie seien wehrhaft, könnten rundum ausschlagen und auch beißen. Katzen würden sie ignorieren, aber bei Hunden reagierten sie. Deshalb spielen Esel beim Herdenschutz eine Rolle: Sie reagieren bei Bedrohung lautstark.

Drei Mal im Jahr muss der Hufschmied kommen und den Tieren die Hufe bearbeiten, die sie auf der Weide nicht ablaufen können. Einmal im Jahr werden sie entwurmt, auch die Zähne müssen hin und wieder abgeraspelt werden. Brot, Mohrrüben und vor allem Heu fressen die vier Esel. Zwei Schiebkarren voll duftender Gräser gibt es jeden Tag für die vier Vierbeiner. Die besondere Würze holen sie sich vom Salz- und vom Mineralleckstein.

Ganz billig sind Klaus und Charlie, Schaf und Rübe nicht, auch wenn sie genügsamer sind als Pferde. Legge schätzt, dass er für die Pacht der Weide, für Futter und Tierarzt im Jahr etwa 2000 Euro ausgibt. Aber das ist es ihm wert. Sein Geld verdient der Escheder mit Imbiss- und Bierwagen sowie Kinderkarussell und außerhalb der Freiluftsaison als Busfahrer. Und sein anderes Hobby als Moderator beim Südheide-Radio, das im Internet ausgestrahlt wird, das kostet ihn nur Zeit.

Von Joachim Gries