Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Eschede Herzenswunsch in Eschede erfüllt
Celler Land Eschede Herzenswunsch in Eschede erfüllt
16:43 03.03.2017
Eschede

Vorsichtig streichelt die 11-Jährige aus Seesen über das orangefarbene Fell des 12 Wochen alten Tigers. „Es musste dieser Tiger sein“, erklärt Kimberlys Mutter Sylke Thomaschewski. Denn während andere Kinder sich wohl eher für die beiden Geschwister von Clay mit dem weißen Fell begeistert hätten, schlägt das Herz von Kimberly für den „mit dem gelben Fell“, wie die 11-Jährige es sagt.

Und Obwohl Clay die Streicheleinheiten von Kimberly sichtlich genießt, hat das 15 Kilogramm schwere Tigerkind schon ordentlich Kraft. „Es bleibt ein Raubtier“, erklärt Mutter Sylke, „ich wusste nicht wie Kimberly reagiert.“ Denn seit ihrer Geburt leidet das Mädchen an dem Dravet-Syndrom, einem seltenen Gendefekt. Die Erkrankung ist nahezu unerforscht und geht einher mit einer motorischen Störung und geistigen Behinderung.

Wenn Kimberly wieder einmal von einem ihrer schweren epileptischen Anfälle aufwacht, spricht sie davon, dass das ,Dravet Monster‘ wieder zu Besuch gewesen ist“, erläutert Stefanie Albrecht von Powerhearts. Der gemeinnützige Verein war auf die Facebook-Seite von Sylke Thomaschewski gestoßen, die aus dem Leben ihrer Tochter berichtet. Dort sind auch die Fotos von Kimberlys Besuch im Filmtierpark in Eschede im vergangenen Jahr zu sehen: ein junges mutiges Mädchen mit Tiger Lucky, dem das pure Glück aus den Augen strahlt. Einmal ein Tigerbaby streicheln, das war Kimberlys Herzenswunsch. Und genau diesen hat die wohltätige Organisation nun erfüllen können.

„Bis über beide Ohren hat Kimberly gegrinst“, gibt Thomaschewski an. Und auch der Mutter ist die Freude deutlich anzumerken. Das schwerbehinderte Mädchen müsse schon oft zurückstecken, umso mehr habe sie sich gefreut, dass Kimberly richtig aus sich rauskommt. Es war Liebe auf den ersten Blick, als Clay hereingeführt wurde. Beidseitig, denn der Jüngling zeigte sich von seiner besten Seite. Doch er wurde auch kräftig verwöhnt: Spielen, Streicheln und ein Fläschchen geben. Schnell wurde die begründete Angst, dass das ,Dravet-Monster‘ wieder auftaucht, zunichte gemacht. „Sie hatte keinen Krampfanfall“, sagt die Mutter, „wenn sie sich besonders freut oder aufgeregt ist, kommen diese sonst.“ Für diesen Augenblick war alles vergessen: kein Rollstuhl, kein Monster, keine Schüttelattacken. Sonst eher verschlossen und schüchtern, blühte das Mädchen auf. „Der Wahnsinn“, freut sich ihre Mutter, „sie so glücklich zu sehen.“

Dass es nicht nur für Kimberly ein perfekter und einzigartiger Tag war, schreibt Thomaschewski auch dem Team vom Filmtierpark zu. Behutsam sei das Mädchen an den Tiger herangeführt worden. „Das hat der Park toll gemacht.“ Viel zu schnell ist die kleine Privat-Audienz für den jungen Tiger-Fan zu Ende gegangen. Nach diesen aufregenden Minuten, hatten es die anderen tierischen Bewohner im Park schwer bei der 11-Jährigen. Der Waldkautz? Uninteressant. Pferde füttern? Langweilig.

Während andere Kinder für Katze, Hund oder Pony schwärmen, dreht sich für Kimberly alles nur um Tiger. Und so wird es jetzt wohl auch in Zukunft bleiben, denn der nächste Besuch in Eschede hat die Familie schon für den Sommer geplant. Dann wird Clay jedoch schon so groß sein, dass er nicht mehr auf Kimberlys Schoß sitzen wird. Doch auch wenn Clay dann im Freigehe ist, wird er sich sicherlich an seinen Fan erinnern. Bis dahin träumt die 11-Jährige weiterhin von den Großkatzen, denn über ihrem Bett hängt bereits das große Bild von sich und dem großen Tiger Lucky. Im Hause Thomaschewski sind Nagel und Hammer schon bereit gelegt, denn nun folgt das zweite mit Clay. Darauf besteht Kimberly ganz energisch.