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Eschede Heute klappern die Mühlen im Celler Land nicht mehr
Celler Land Eschede Heute klappern die Mühlen im Celler Land nicht mehr
17:46 25.05.2015
Mit diesem Kollerwerk wurde Öl aus Raps und ähnlichen Pflanzen herausgepresst. Quelle: Udo Genth (2)
Marwede

"Dem stehen die Auflagen des heutigen Naturschutzes dagegen", weiß Gerd Misselhorn. Er ist der Besitzer der Wolfhagen-Mühle an der Lutter in Marwede. Sie zeigte er am Montag im Rahmen des "Mühlentages", den es seit 1994 gibt. "Mein Großvater Arnold Wolfhagen war der letzte Müller", berichtete er.

Die Mühle selbst ist weitaus älter. Als die ersten seiner Vorfahren um 1600 nach Marwede kamen, stand die Mühle schon. Sie hat seither eine bewegte Geschichte, die wohl typisch ist für gleichartige Mühlen. Im Jahr 1796 ist sie abgebrannt, aber gleich darauf wieder aufgebaut worden, wie das eingeschnitzte Datum neben der Tür des Hauses angibt. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts wurde das große Wasserrad abgebaut und an ihrer Stelle eine kombinierte Kaplan-Francis-Turbine mit einer Leistung von etwa 12 Kilowatt eingebaut. Diese wurde vor genau 50 Jahren entfernt und verkauft. Daraufhin kassierte die damalige Bezirksregierung in Lüneburg die Wasserrechte und legte damit die Mühle still.

Misselhorn erzählt die Geschichte des Gebäudes nüchtern-sachlich, während er die Besucher durch das verwinkelte Innere der Mühle herumführt. Kurz nachdem er um 11 Uhr öffnete, kamen Interessierte allein oder in Familienverbänden. Sie erfuhren, das Klappern der Wassermühle, von dem im Volkslied berichtet wird, hatte als Ursache die ruckartigen Bewegungen der hölzernen Kornzuführung zu den Mühlsteinen. Die Wolfhagenmühle hat aber nicht nur Korn gemahlen, sondern ihre durch die Kraft der vorbeifließenden Lutter gewonnene Energie drehte ebenso ein Kollerwerk, das Öl aus Raps herauspresste. Er möchte die Mühle erhalten, sagt Gerd Misselhorn abschließend, weitere Pläne habe er nicht.

Wie die Marweder Wolfhagen-Mühle ist die Mühle in Müden ebenfalls eine Wassermühle. In ihr ist jedoch nur noch wenig von den einstigen Gerätschaften zu sehen. Ein Mühlenrad gibt es ebensowenig, vielmehr wurde 1913 stattdessen eine Francis-Turbine eingebaut, die bis heute Strom liefert. "Dadurch konnte die hiesige Tischlerei moderne Maschinen anschließen", sagt Bettina Bouma von der Tourist-Information.

Sie hat ihr Büro im Erdgeschoss des Gebäudes, in den oberen Stockwerken sind Räume für Bücher, Ausstellungen und Trauungen eingerichtet. Bouma möchte gern die Historie der Mühle in einer Geschichtswerkstatt erschließen. Diese könnte dann die Grundlage für einen Film bilden, überlegt sie. Das aber ist reine Zukunftsmusik.

Für Besucher geöffnet hatte gestern auch die Bockwindmühle in Winsen.

Von Udo Genth