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Eschede Hobby-Historiker Hendrik Altmann recherchiert rund um Höfer und sucht Zeitzeugen
Celler Land Eschede Hobby-Historiker Hendrik Altmann recherchiert rund um Höfer und sucht Zeitzeugen
18:18 11.07.2017
Höfer

HÖFER. "Es ist ein Puzzle", sagt der Wirtschaftsjurist über die Quellenlage. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit historischen Ereignissen in der Region und hält seine Erkenntnisse auf seinem Blog "Found Places" fest. Die Luftmunitionsanstalt bei Höfer fasziniert ihn besonders. "Das Thema ist interessant, weil man vor Ort noch relativ viel sieht", sagt Altmann. "Da frage ich mich, was das alles für einen Sinn und Zweck gehabt hat."

Diese Frage konnte Altmann schnell beantworten. 17 Bunker zeugen heute noch von der einstigen Luftmunitionsanstalt, in der unter anderem Kriegsgefangene und Dienstverpflichtete gearbeitet haben. Bereits in den Jahren 1934/35 war mit dem Bau der Bunkeranlagen sowie Verwaltungs-, Kasernen- und Betriebsgebäuden begonnen worden.

Die Luftmunitionsanstalt diente neben der Lagerung, Verpackung und Zuteilung von Rüstungsgütern unter anderem auch dazu, sogenannte "Schlachtfeldmunition" aufzuarbeiten. Dabei handelte es sich um Geschosse, die aufgrund von Fehlern wieder zurückgeliefert wurden und untersucht werden mussten. Wenn die Fehler nicht ausgebessert werden konnten, wurde die Munition auf einem angrenzenden Sprengplatz vernichtet.

Bei der Untersuchung zurückgelieferter Munition ereignete sich Anfang November 1942 ein Explosionsunglück, bei dem vier Menschen ums Leben kamen. "Darunter waren auch junge Mädchen", erzählt Altmann. Versuchsstücke neuartiger, schwerer Panzerminen waren vermutlich aufgrund eines Konstruktionsfehlers detoniert. Diese waren ursprünglich für das Kontingent von Truppen in Nordafrika bestimmt gewesen. Ein weiteres Unglück ereignete sich Ende Mai 1943, als Munition verladen wurde. Dabei starben elf Menschen.

Im April 1945 wurde die Luftmunitionsanstalt kurz vor dem Einmarsch der Alliierten gesprengt. Blindgänger und Sprengstoffverbindungen verteilten sich großflächig und liegen teilweise noch immer im Boden. "Vieles davon ist noch heute gefährlich", schreibt Altmann in seinem Blog und warnt davor, das Gelände auf eigene Faust zu erkunden. Er selbst kenne sich mittlerweile gut auf dem Areal aus: "Ich war zu jeder Jahreszeit vor Ort und habe fast alles in Augenschein genommen."

Von der Untertageverlagerung zwischen den Kalischächten Fallersleben in Habighorster Höhe und Mariaglück in Höfer ist hingegen nichts mehr zu sehen – die Schächte sind inzwischen geflutet. Im Zweiten Weltkrieg erhielt die unterirdische Rüstungsproduktion den Decknamen "Löwe". Die Leipziger Maschinenfabrik und Schriftgießerei Schelter & Giesecke fertigte in 710 Metern Tiefe Fahrwerksteile für Flugzeuge her und lieferte diese an den Bremer Flugzeugbauer Focke-Wulf.

Kurz vor Kriegsende wurden außerdem Kulturgüter in den Schächten auf der 630-Meter-Sohle vor Luftangriffen geschützt. Unterlagen und Akten aus der hannoverschen Stadt- und der Provinzialbibliothek, des Staatsarchivs in Kiel sowie des Landeskirchenarchivs in Hannover wurden in einem speziellen Stollen untertage verstaut.

Altmanns Recherche führte ihn zu Archiven in ganz Deutschland. Ein Recherchedienst durchforstete für ihn sogar das National Museum in Washington in den USA. "Man findet Hinweise, aber kein lückenloses Material", berichtet Altmann. Seine Ausbeute bisher: "Relativ mager."

Dennoch hat Altmann bereits rund 100 Seiten für sein Buch geschrieben, 60 bis 80 weitere Seiten sollen noch dazu kommen. Die Geschichte der beiden Produktionsstätten bei Höfer möchte er nicht für seinen Blog verfassen. "Es ist so umfangreich, das möchte ich wissenschaftlich aufarbeiten", sagt Altmann. Erscheinen soll das Werk im Eigenverlag.

Um Antworten auf seine offenen Fragen zu bekommen, sucht der Hobby-Historiker Zeitzeugen, die etwas zu der Luftmunitionsanstalt oder den Rüstungsanlagen erzählen können. Auch Dokumente, Fotos oder andere Unterlagen würden Altmann in seiner Arbeit voranbringen. "Selbst zunächst unwichtig erscheinende Details sind hilfreich", betont er. Diese sollen den Gesamtkontext vervollständigen.

Hendrik Altmann bittet Zeitzeugen um Hilfe bei seiner Recherche. Er ist erreichbar unter Telefon 0176-61157596 und per E-Mail an found-places@live.de. Altmanns Blog ist im Internet unter www.found-places.blogspot.de zu finden.

Von Amelie Thiemann