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Eschede Hunderte demonstrieren gegen Neonazis
Celler Land Eschede Hunderte demonstrieren gegen Neonazis
19:06 24.06.2012
Von Simon Ziegler
Gegendemo Eschede Quelle: Isabell Prophet
Eschede

Rund 300 Menschen haben sich am Samstagnachmittag an einer Demonstration gegen die sogenannte Sonnwendfeier auf Hof Nahtz in Eschede beteiligt. Sie liefen vom Bahnhof in Richtung der abgesperrten Zufahrtsstrecke. „Die Heide blüht lila und nicht braun“ oder „Nazis raus aus Eschede - Bunt statt braun“ war auf Transparenten zu lesen. Während einer Kundgebung an der Zufahrt lasen Demonstranten die Namen von 182 Opfern rechtsextremer Gewalt seit 1989 vor. Dazu ließen sie Luftballons aufsteigen.

Am Abend wurden für einen „Staffelgottesdienst“ zwei Demonstrationszüge mit etwa 250 Menschen gebildet, die aus Richtung Eschede und aus der Marinesiedlung auf die Kreuzung zuliefen. Aus zwei Teilen, den Staffeln, fügten sie ein Holzkreuz zusammen. Der Staffelgottesdienst mit Liedern und Gebeten an mehreren Stationen stand unter dem Motto „Unser Kreuz hat keine Haken“. Dabei wies der Lüneburger evangelische Regionalbischof Dieter Rathing rechtsextremes Gedankengut scharf zurück. „Wir widersprechen jeder Feindlichkeit gegen Menschen fremder Herkunft und Kultur“, sagte er. Ein solches Denken beleidigte die Menschen und auch Gott. Christen feierten nicht die Sonne, sondern Jesus. Den anschließenden Segen sprach der südafrikanische Bischof William R. Bowles, der zuvor Gast beim Missionsfest in Hermannsburg war.

Zu den Protesten aufgerufen hatten Parteien, Gewerkschaften und Kirchen. Lennard Aldag vom Deutschen Gewerkschaftsbund kritisierte während der Veranstaltung erneut die Auflagen des Landkreises. „Wir wären gerne auf die Kreuzung gegangen, für uns ist das der symbolische Hof Nahtz. Ziel war es, die Straße für die Zeit unserer Versammlung zu sperren. Wir sind die Bürger des Landkreises Celle“, sagte Aldag.

„Der Hof Nahtz ist ein Schandfleck für die Region. Wir können stolz darauf sein, mit welcher Leidenschaft und Hartnäckigkeit wir immer wieder hier auftreten“, sagte Pfarrer Günther Birken aus Bergen. Vertreter des Netzwerks Südheide gegen Rechtsextremismus wiesen darauf hin, dass Kinder zu den Nazitreffen mitgebracht würden, die Behörden müssten die Treffen genauer beobachten.

Der Unterlüßer Pastor Wilfried Manneke erklärte, dass Staffelgottesdienst, Info-Stände, Samba-Trommeln und afrikanische Rhythmen dazu beitragen sollen, den Protest attraktiver zu machen. Gestern erklärten die Organistoren, das Konzept sei aufgegangen. Mit den unterschiedlichen Veranstaltungen spreche man verschiedene Personenkreise an, sagte Aldag.

Die Polizei erklärte gestern, dass rund 170 Personen aus dem gesamten norddeutschen Raum an der Sonnwendfeier teilnahmen. Am Rande der Kundgebung der Gegendemonstranten wurden Platzverweise an acht alkoholisierte Personen erteilt. Sie seien aus der Gegend und könnten der rechten Szene zugeordnet werden, sie hätten aber nicht an der Feier auf dem Hof Nahtz teilnehmen wollen, so die Polizei.