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Eschede Hundestreit in Eschede: Beißerei oder nur Rangelei?
Celler Land Eschede Hundestreit in Eschede: Beißerei oder nur Rangelei?
20:47 18.02.2015
Der Kangal ist ein großer Herdenschutzhund mit einem muskulösen Körper und einem großen Bewegungsbedürfnis.  Quelle: A. Holzknecht
Eschede

Die beiden "Problemhunde" der Rasse Kangal (türkischer Hütehund) leben im Escheder Neubaugebiet Jochenkamp. Nicht weit von dort war Claudia Schmoll mit ihren beiden Hunden unterwegs, als sich einer der beiden Kangals aus seinem Halsband befreite, sich auf ihren dreieinhalb Jahre alten Freddie stürzte und sich in ihn verbiss. Schmoll hatte große Mühe, ihren Hund zu befreien. Er trug ernsthafte Quetschungen davon, ist jetzt völlig verschüchtert, so dass er seither nur an der Leine unterwegs ist. Schmoll verlegte inzwischen ihre Spazierrouten, um den beißenden Hunden nicht erneut in die Quere zu kommen. Es sei nicht die erste Attacke der Kangals gewesen, sagt sie.

Die Eschederin zeigte den Halter der beiden Kangal beim Veterinäramt in Celle an. "Der Mann muss begreifen, dass er etwas tun muss", sagt sie. Die Hunde müssten so funktionieren, wie es der Mensch will, nicht umgekehrt. Besonders verärgert war sie, als sie vergangene Woche im gemeindlichen Mitteilungsblatt die Sätze las: "Seit einigen Jahrzehnten hat sich das früher eher unkomplizierte Verhältnis zwischen Mensch und Hund gewandelt. Hunde dürfen nicht mehr frei im Dorf umherstreifen, Artgenossen treffen (und manchmal vermöbeln, worüber sich einst niemand aufregte) ..." Verfasst wurde der Beitrag vom "Arbeitskreis Mensch und Hund Eschede" (ASF). Der trifft sich auf dem Gelände des "Hundesportzentrums Eschede". Dort vermittelt er keine spezielle Ausbildung, "sondern etwas viel Wichtigeres: Alltagstauglichkeit. Die üben wir mit jeder Teamzeit", so die Selbstdarstellung des Vereins im Mitteilungsblatt. Dort üben auch die beiden Kangals ihre Alltagstauglichkeit.

Schmoll fühlte sich angesprochen – und missverstanden. "Der Angriff im Januar war nicht ohne", sagt sie. Und er war nicht der einzige. Ute Rogosinski war mit ihrer neunmonatigen Hündin Kaira im Januar unterwegs, als der Kangal-Besitzer von seinen beiden Hunden über den Asphalt zu ihr gezogen wurde. Einer der beiden Hunde biss ihrer Kiara oberhalb der Hinterläufe in den Rücken.

"Dass sich der Arbeitskreis Mensch und Hund hinter ihn stellt, ist unverantwortlich", sagt auch Petra Richers vom HSF. Sie hat den Sachkundenachweis erbracht, ist ebenfalls Übungsleiterin, zudem Zuchtwartin beim Deutschen Rassehundeclub (DRC) Soltau und verfügt nach eigenen Angaben über viele Jahre Erfahrung mit Hunden. Aus ihrer Sicht läuft auf dem Übungsplatz in Eschede etwas schief. "Ein Hund erwartet klare Kommandos, er braucht klare Bilder vor Augen. Er muss mich für voll nehmen", sagt Richers. Sie hatte Einblick in die Abläufe beim Hundesportzentrum, zog sich dort dann aber zurück. "Es ist gefährliches Halbwissen, das dort vermittelt wird", lautet ihre Einschätzung.

Dem Veterinäramt beim Landkreis Celle lagen drei Hinweise auf einen der beiden Kangals vor. Die Überprüfung habe keine gesteigerte Aggressivität bei dem Vierbeiner ergeben, sagte Kreissprecherin Yvonne Jacobi. Auch beim ASF habe es keine Hinweise auf ein tierschutzwidriges Verhalten des Vereins gegeben. Sollte es weitergehende Anzeigen geben, sei die Gemeinde Eschede zuständig.

Von Joachim Gries