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Eschede Katholische Kirche in Eschede verkauft
Celler Land Eschede Katholische Kirche in Eschede verkauft
10:40 17.10.2017
Quelle: Michael Schäfer
Eschede

Gerade einmal 64 Jahre alt ist die kleine Kirche an der Escheder Grünackerstraße am vergangenen Mittwoch geworden. Die Einweihung von St. Theresia fand am 11. Oktober 1953 im Beisein des Hildesheimer Generalvikars Wilhelm Offenstein statt. „Die Arbeiten zum Bau der Kirche haben bereits 1950 begonnen“, erzählt einer, der es wissen muss: Otto Wagner war seinerzeit bei der Errichtung der katholischen Kirche in Eschede dabei. „Ich war von Anfang an immer für die Gemeinde da“, erklärt der 86-Jährige. „Wir haben uns alle so gefreut, dass es für uns endlich eine eigene Kirche gibt.“

Die Aufwärtsentwicklung im katholischen Seelsorgebezirk, zu dem Eschede Anfang der fünfziger Jahre gemeinsam mit Lachendorf gehörte, hatte den Bau dringend erforderlich gemacht. Insbesondere die vielen aus dem Osten vertriebenen Kriegsflüchtlinge, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Landkreis Celle eine neue Heimat gefunden hatten, trugen dazu bei, dass die Zahl der katholischen Gläubigen sprunghaft anwuchs. Der Bau von St. Theresia vom Kinde Jesu sei schließlich durch eine großzügige Spende der holländischen Baronin von Kessenich ermöglicht worden, die Geld zum Bau einer kleinen Kirche in der Diaspora stiftete, so Kossak Glowczewski. „Die Wahl fiel auf Eschede, weil man damals davon ausgegangen war, dass sich der Ort durch den Bahnhof und die Lage an der Bundesstraße noch vergrößern würde.“

„Bevor wir unsere eigene Kirche bekamen, haben wir unsere Gottesdienste jeden Sonntag um acht Uhr in der evangelischen Kirche in Eschede gefeiert“, erzählt Wagner. „Die Ökumene hat immer sehr gut funktioniert.“ Der gebürtige Ostpreuße kann sich auch noch gut daran erinnern, dass bis weit in die 1960er Jahre hinein der „Fahrbare Kapellenwagen“ in den Ortschaften rund um Eschede unterwegs war, um die Katholiken dort zu betreuen. „Hinter dem Fahrersitz waren der Beichtstuhl und die Kirchenbänke – ich bin den Wagen damals auch oft gefahren, um dem Pastor als Messdiener zu helfen.“

1967 entsteht aus dem Seelsorgebezirk Eschede/Lachendorf eine eigene Kirchengemeinde. Im selben Jahr wird auch das Pfarrhaus, ein Jahr später das Pfarrheim an der Grünackerstraße errichtet. Ebenfalls 1968 erhält St. Theresia vom Kinde Jesu einen Beichtstuhl sowie eine kleine Orgel. Die junge Gemeinde floriert zu dieser Zeit. „Der Gottesdienst war sonntags immer voll“, sagt Wagner. „Und durch die neue Kirche bekam man in der Gemeinde noch mehr Anschluss.“

1988 beginnen Renovierungsarbeiten an der katholischen Kirche in Eschede: Die Außenwände werden isoliert und neu verputzt, ein neuer Vorbau mit Kupferdach ersetzt den alten Windfang. Der Innenraum von St. Theresia erhält eine neue Heizung und die alten Fenster werden gegen neue, bleiverglaste Motivfenster ausgetauscht, welche die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sowie die Sakramente darstellen.

Ende der 1990er Jahre habe es in Eschede noch eine kleine, aber sehr aktive katholische Kirchengemeinde gegeben, erzählt Pfarrgemeinderatsmitglied Beate John. „Als ich vor 20 Jahren das erste Mal einen Gottesdienst in der Kirche besucht habe, da war sie noch voll.“ Auch das Gemeindeleben sei rege gewesen. „Zum Beispiel haben sonntags nach der Messe immer alle zusammen im Pfarrheim gefrühstückt.“

Inzwischen hat die demografische Entwicklung aber auch die St.-Theresia-Kirche erreicht. „Die Gemeindemitglieder werden immer älter, und die jungen Leute kommen nicht mehr nach“, bedauert Kossak Glowczewski. 2004 wird der nördliche Teil der einst eigenständigen Pfarrgemeinde St. Theresia vom Kinde Jesu, also Eschede, mit der Pfarrei St. Paulus in Unterlüß sowie der Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer in Celle zu einer Seelsorgeeinheit zusammengefasst. „Es gab einfach nicht genügend Priester“, erläutert Kossak Glowczewski. Seit Advent vergangenen Jahres finden die Sonntagsgottesdienste in Eschede zudem nur noch alle vierzehn Tage statt. „Meistens sitzen dann nur 20 ältere Herrschaften in den Kirchenbänken.“

Die Abwanderung vieler Menschen aus früheren Wohngebieten, den Mitgliederrückgang und den damit einhergehenden rückläufigen Gottesdienstbesuch nennt auch das Bistum Hildesheim als Gründe für den zunehmenden Verkauf von Kirchen in Niedersachsen. Aufgrund des Priestermangels sei es zunehmend schwieriger, regelmäßig heilige Messen in jeder Kirche anzubieten – zugleich sei die Erhaltung von Kirchen mit enormen Kosten verbunden.

„Natürlich versteht man die Gründe“, sagt Kossak Glowczewski abschließend. „Trotzdem ist die Gemeinde sehr traurig über den Verkauf.“ Für viele Escheder Senioren werde es nun schwierig, regelmäßig zu den katholischen Gottesdiensten zu kommen, die künftig in der Vorwerker St.-Johannes-Kirche abgehalten werden. „Wir müssen sehen, wie wir die Leute nach Celle bekommen, notfalls auch mit Bussen. Wir müssen jetzt dafür Sorge tragen, dass hier niemand alleine bleibt.“

Katholische Kirche wird profaniert

Die katholische Kirche St. Theresia vom Kinde Jesu in Eschede wird geschlossen. Die letzte heilige Messe feiert die Gemeinde am morgigen Mittwoch, 18. Oktober, um 18 Uhr. Der Profanierungsgottesdienst wird vom Hildesheimer Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger geleitet. Mit der Profanierung verliert die Kirche ihre Funktion als Ort für Gottesdienste. Nach kanonischem Recht ist diese zwingend erforderlich, um ein Gotteshaus dauerhaft weltlichem Gebrauch zu überlassen. Im Abschiedsgottesdienst muss das Allerheiligste aus der Kirche getragen und das Ewige Licht gelöscht werden. Ferner müssen alle liturgischen Geräte und Einrichtungsgegenstände aus dem Gebäude entfernt und an einem würdigen Ort aufbewahrt werden. Sie können jedoch auch – ihrer Bestimmung gemäß – an einem anderen Ort weiter verwendet werden: „Altar, Tabernakel, Stühle und Bänke der Kirche St. Theresia vom Kinde Jesu gehen an eine kleine polnische Kirche im Erzbistum Posen, ein paar andere Kleinigkeiten an eine Kirche in der Ukraine“, erklärt Pater Miroslaw Kossak Glowczewski von der Katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer in Vorwerk, zu der die Escheder Gemeinde auch künftig gehören wird. Nach Angabe von Kossak Glowczewski hat der Celler Oliver Werner sowohl die katholische Kirche als auch das Pfarrhaus und das Pfarrheim an der Grünackerstraße vom Bistum Hildesheim erworben. Er wolle die Gebäude umbauen, um dort barrierefreie Wohnungen für Senioren einzurichten. Werner war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen.

Von Christina Matthies