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Eschede Kräuterapotheke auf Escheder Pferdeweide
Celler Land Eschede Kräuterapotheke auf Escheder Pferdeweide
20:14 03.07.2017
Nadine Schürings Pferde Lilly (Foto) und Ferrari fressen diverse Kräuter. Auf ihrer Weide finden sich unter anderem Rainfarn, Kletten-Labkraut und die Gemeine Wegwarte (linke Spalte von oben). Quelle: Oliver Knoblich
Eschede

Schürings Interesse an dem Thema ist 2014 aus der Not heraus geboren. Damals nahm sie das ehemalige Sportpferd Ferrari bei sich auf. "Als allergischer Asthmatiker hustete er ständig", berichtet sie. Außerdem habe Ferraris tiefe Beugesehne während seiner Sportkarriere gelitten. Das American Quarter Horse war gesundheitlich am Tiefpunkt angelangt, und der behandelnde Tierarzt drängte auf die Gabe von Medikamenten. Doch Schüring weigerte sich: Ferrari sollte auf natürliche Weise geholfen werden. "Fünf Tage wollte ich uns geben", erinnert sie sich an die mit dem Tierarzt ausgehandelte Frist.

Akupunktur half Ferrari. Und auch seine Atemnot bekam Schüring mit schleimlösenden Kräutern in den Griff. Zum Beispiel verfütterte sie Meerrettich. Fünf Tage später ging es Ferrari deutlich besser. "Der Tierarzt war total überrascht und wollte wissen, wie ich das geschafft hatte", erzählt die Pferdebesitzerin. Zweifel an ihrem Vorgehen hatte sie nie: "Ich war mir sicher, dass ich das hinkriege. Hätte es nicht geklappt, hätte ich Ferrari die Medikamente gegeben."

Seitdem sieht Lillys und Ferraris etwa zwei Hektar große Weide anders aus. Überall sprießen die unterschiedlichsten Pflanzen, Kräuter und Wildgräser. Was wie eine bunte Mischung aussieht, hat System. Schüring hat die Weide entsprechend modelliert und mit gezielter Saat Vielfalt geschaffen. Sie kennt den Nutzen jedes einzelnen Gewächses: Brennnesseln entschlacken und besitzen viel Vitamin C und Eisen; Kletten-Labkraut entgiftet die Nieren und fördert den Stoffwechsel; die Gemeine Wegwarte wirkt desinfizierend. So haben die Pferde jederzeit Zugriff auf ihre ganz eigene Kräuterapotheke.

Schüring achtet darauf, dass auch schwach giftige Pflanzen auf ihrer Weide zu finden sind. "Wenn das Pferd krank ist, frisst es auch mal Giftkräuter", erläutert sie. Als Beispiel nennt sie den Rainfarn: "Damit entwurmen sich Pferde selber in freier Wildbahn." Wermutkraut ist wiederum gut für die Magen-Darm-Flora.

Wenn Pferde auf ehemaligen Kuhwiesen grasen, dann sei das nicht artgerecht, sagt Schüring. "Das ist Hochleistungsweidegras und überhaupt nicht vereinbar mit dem Pferdedarm." Durch gezielte Saat seien Wiesen allerdings schrittweise wandelbar. Zu der Pflanzenvielfalt auf ihrer Weide haben Lilly und Ferrari rund um die Uhr Zugriff auf gut gelagertes, trockenes Heu – und das "ad libitum", also unbegrenzt und ganz nach Belieben. "Pferde sind Dauerfresser", erläutert Schüring. Hinzu kommt eine Mineralbar im Unterstand. Dort können die Pferde neben Salz auch Kupfersulfat, Schwefel und Dolomitgestein lecken. Bei allem gilt: "Die Pferde nehmen sich das, was sie brauchen."

Woher nimmt Schüring das Wissen? "Ich mache das nicht auf eigene Faust", betont sie. Tierheilpraktiker und Informationen in sozialen Medien helfen ihr. Zweimal jährlich lässt sie große Blutbilder beider Pferde inklusive Spurenelementen anfertigen. "Der Erfolg gibt mir recht", sagt Schüring. Und das Beste: "Ferrari ist seit fast einem Jahr symptomfrei."

Von Amelie Thiemann