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Eschede Lautstarker Protest gegen Nazi-Treffen in Eschede
Celler Land Eschede Lautstarker Protest gegen Nazi-Treffen in Eschede
11:24 25.06.2017
„Die Heide blüht lila und nicht braun“: In Eschede sind am Samstag 200 Bürger gegen das Nazi-Treffen auf die Straße gegangen. Quelle: Christina Matthies
Eschede

Vom Bahnhof in Eschede aus ziehen die Demonstranten an diesem Nachmittag mit Plakaten, Spruchbändern und Trillerpfeifen vor die Einfahrt von Hof Nahtz. „Die Heide blüht lila und nicht braun“ heißt es auf den Schildern, oder „Lieber bunte Haut als braune Gedanken“. Etwa 200 Nazi-Gegner sind gekommen, darunter die Celler SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann, SPD-Landtagsabgeordneter Maximilian Schmidt sowie Kommunalpolitikerin Behiye Uca (Die Linke). Auch zahlreiche Bürger marschieren mit – Bürger wie Heiner Hohls, die sich für eine tolerante Gesellschaft im Landkreis Celle einsetzen wollen: „Lieber habe ich Menschen hier, die in Frieden ein neues Leben beginnen wollen,“ betont der Faßberger, „als solche, die braunes Gedankengut verbreiten.“

Vor der Einfahrt zu Hof Nahtz sammeln sich die Demonstranten jetzt zu ihrer gut zweistündigen Mahnwache. „Nazis raus“, skandieren sie, sobald ein Wagen auf den Schotterweg einbiegt, der zum Privatgrundstück außerhalb des Escheder Ortskerns führt. Jedes Auto – und das sind an diesem Nachmittag nicht gerade wenige – wird zudem mit lautstarken Pfiffen und Buhrufen empfangen. „Die Kennzeichen kommen meist aus ganz Deutschland“, erzählt Ralf Müller, der regelmäßig mit dem „Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus“ auf die Straße geht. „Was mich traurig stimmt ist, dass dieses Jahr sehr viele Nummernschilder aus Lüneburg oder Dannenberg dabei sind – es ist also sehr regional.“

„Die Koordinaten in unserer Gesellschaft haben sich weit nach rechts verschoben“, warnt Olaf Meyer von der Antifaschistischen Aktion Lüneburg/Uelzen. Die Rechte sei durchaus in der Lage, die Ängste der Bevölkerung zu nutzen und in Wählerstimmen umzusetzen. „Wir dürfen unsere Augen nicht vor den Nazitreffen in Eschede verschließen.“

„Die Rechtsextremen gewinnen, wenn wir ihnen tatenlos zusehen“, meint auch Wilfried Manneke, Pastor der Friedenskirche in Unterlüß, der sich ebenfalls im „Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus“ engagiert. Manneke fordert mehr Zivilcourage: Werde man Zeuge rassistischer Übergriffe, so müsse man helfend eingreifen. „Das bedeutet nicht, dass man sich selber in Gefahr bringen muss. Aber man kann wenigstens die Polizei rufen und den Opfern zeigen, dass sie nicht allein sind.“

Dass die Gegen-Demo die Besucher des Sonnwendfestes – die Polizei sprach von 100 Teilnehmern – nicht kalt lässt, ist offensichtlich: In einiger Entfernung zur Hofeinfahrt hat sich ein silberner Van postiert, der das Geschehen offenbar sehr genau beobachtet. „Das kennen wir schon“, sagt Ralf Müller. „Bei jeder Demo stehen die mit dem Auto da, fotografieren oder filmen, um zu sehen, wer gegen sie protestiert.“ Zweimal schießt das silberne Fahrzeug sogar dicht an den Demonstranten vorbei – mit heruntergekurbeltem Seitenfenster, aus dem tatsächlich eine Kamera ragt.

Um Konfrontationen zu vermeiden, ist das Polizeiaufgebot an diesem Samstag entsprechend groß: Neben Einsatzfahrzeugen und Mannschaftswagen der Polizei sind auch vier berittene Polizisten vor Ort. Laut Polizei kam es zu gegenseitigen Provokationen und Beleidigungen, größere Zwischenfälle habe es nicht gegeben.

Von Christina Matthies