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Eschede Michael Habighorst stoppt in Habighorst
Celler Land Eschede Michael Habighorst stoppt in Habighorst
08:43 15.06.2016
Habighorst

Die Familiengeschichte des 46-Jährigen lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Allerdings in Halle in Westfalen, nicht im Dorf an der Aschau. Es gibt also keine verwandtschaftlichen Beziehungen, die mit dem Kurzbesuch in Habighorst aufgefrischt werden könnten. Habighorst ist in Bielefeld geboren, die Eltern leben heute noch in Halle, er hat sie vor ein paar Tagen auf der großen Tour besucht. Die Eltern waren als Reiter vor Jahren in der Südheide unterwegs, es gibt ein Foto von ihnen am Ortsschild von Habighorst. Da wollte er sich jetzt auch einmal umschauen.

996 Kilometer zeigte der Tacho an, als Habighorst auf dem Radweg an der K34 in den Ort rollte. Er sei überrascht, wie überschaubar das Dorf sei, sagte er wenig später. „Schade, dass es hier nichts an Gastronomie gibt“. Übernachtet hat Habighorst dann in Eschede, er hat sich ein Bett im Gasthaus gegönnt, Zelt und Schlafsack werden bei der auf vier Monate angelegten Tour noch oft zum Einsatz kommen.

Aufgebrochen ist er am 29. Mai in Freiburg. Und hat in Süddeutschland gleich das ganze Unwetter mitgenommen, fünf Tage Gewitter und Wolkenbrüche. Am Rhein war der Radweg überflutet. Doch Ruhetage gönnte er sich nicht. „Sonst komm‘ ich gar nicht in Gang“, sagt er rückblickend. An den ersten Abenden sei er ganz schön platt gewesen.

Der „Wahnsinns-Radfahrer“ sei er nicht, sagt Habighorst. Zwei Stunden am Wochenende mit dem Fahrrad auf Tour, das waren seinen bisherigen Erfolge. Für die Fahrt zum Nordkap ließ sich der Coach für Prozessoptimierung ein Fahrrad maßschneidern, er assistierte seinem Freund beim Bau. Ein spezielles Logo am Rahmen unterhalb des Lenkers verbindet den Globus, das Wahrzeichen des Nordkaps, mit dem Signet der Firma seines Freundes. 27 Kilogramm wiegen die am Rad verteilten Gepäcktaschen.

Über Dänemark und Schweden geht es nach Norwegen, von Trondheim dann die Küste entlang bis zum Nordkap. Ein langer Aufenthalt ist nicht geplant, es geht dann zurück durchs finnische Lappland, Estland, Lettland, Litauen und Polen nach Deutschland. Ende September will er wieder in Freiburg sein.

Momentan sieht es so aus, als wenn die 10.000 Kilometer nicht ausreichen, denn die beiden Naviprogramme auf dem Smartphone schicken Habighorst immer wieder auf Umwege oder unbefahrbare Pfade, so dass er umkehren muss. „Das zehrt an den Nerven“, sagt er. Mit 100 bis 120 Kilometern pro Tag hat er geplant.

Habighorst betont, er sei kein Aussteiger. Im Gegenteil, nach der Rückkehr werde er bei der Firma aufhören und sich selbstständig machen. Mit der Erfahrung der Nordkap-Tour will der Diplom-Ingenieur auch künftig Mitarbeiter coachen und motivieren. „Kraft der hohen Ziele“, dieser Philosophie mit japanischem Ursprung hängt er an. Das große Ziel ist es, das motiviert. Zurzeit „erfährt“ Habighorst im wahrsten Sinne des Wortes, dass sich das große Ziel durch viele kleine Ziele und Etappen erreichen lässt.

Habighorst ist verheiratet, über seine viermonatige Tour habe es mit seiner Frau keine große Diskussion gegeben, sagt er. Alle zwei Tage nimmt er über Smartphone und Skype Verbindung nach Freiburg auf.

Von Joachim Gries