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Eschede Milchbauern machen wieder Gewinne
Celler Land Eschede Milchbauern machen wieder Gewinne
17:28 06.12.2011
Von Simon Ziegler
Momentan ist Dirk Drˆgem¸ller aus Scharnhorst zufrieden mit dem Milchpreis. 100 K¸he stehen in seinem Stall. Quelle: Peter M¸ller
Scharnhorst

Was waren das für Bilder, im Mai 2008: Bauern kippten aus Protest gegen Dumpingpreise ihre Milch in die Gülle. Denn mit Milch verdienten sie nichts mehr, im Gegenteil: bei rund 25 Cent pro Liter, die sie von den Molkereien erhielten, zahlten die Milchviehhalter sogar drauf. Ihr Protest nutzte aber erst mal gar nichts, der Preis sackte auf knapp über 20 Cent ab.

Inzwischen hat sich der Markt deutlich erholt. So hoch wie 2011 waren die Preise seit Jahren nicht. Im Schnitt erhielten die Landwirte 34 oder 35 Cent pro Liter. Die Molkerei Eschede zahlte sogar 36 Cent. „Der Preis ist in Ordnung“, sagt Dirk Drögemüller, Milchbauer in Scharnhorst. Viel Luft nach oben sieht er aber nicht mehr, der Preis werde wohl stagnieren, glaubt er.

Kreislandwirt Jürgen Mente bestätigt die günstige Entwicklung. Vor allem seien heimische Milchprodukte wie Käse und Butter dafür verantwortlich, dass die Erzeuger recht gut dastehen. „Besonders Käse ist sehr gut nachgefragt“, sagt Mente. Hauptimporteure deutscher Agrarprodukte seien die Niederlande, Frankreich und Italien.

Trotz der guten Nachrichten hat sich der Trend zu immer weniger Milchbauern im Kreis Celle fortgesetzt. Laut Mente gab es 1988 noch 590 Betriebe mit Milchvieh. Im Schnitt hielten die Bauern 23 Kühe. Heute gibt es nur noch 114 Milchbauern, die durchschnittlich 55 Tiere haben.

Die Molkerei Eschede macht unterdessen darauf aufmerksam, dass es erste Anzeichen für fallende Preise gibt. So habe Aldi Süd Ende November den Ladenpreis für den Liter um drei Cent gesenkt. Erfahrungsgemäß ziehen andere Ketten nach. Cord Matthias, Teamleiter des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, berichtet, dass auch der Butterpreis auf unter einen Euro für die 250-Gramm-Packung gefallen sei.

Noch etwas anderes macht den Milchbauern zu schaffen: Im guten Jahr 2011 könnten einige mehr Milch produziert haben als sie nach der EU-Quote dürfen. Sollte der Überschuss nicht dadurch ausgeglichen werden können, dass andere weniger produziert haben, droht eine Sonderabgabe. Das kann im Einzelfall mehrere tausend Euro ausmachen. Diese Unwägbarkeit wird es ab 2015 nicht mehr geben. Die EU überlässt die Produktion dann dem freien Spiel der Kräfte. Wie sich der Wettbewerb auf den Preis auswirkt, bleibt freilich abzuwarten.