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Eschede Mindestlohn: Kioskbetreiber wirft in Höfer das Handtuch
Celler Land Eschede Mindestlohn: Kioskbetreiber wirft in Höfer das Handtuch
17:18 28.11.2014
Madeleine Wiertalla wird ihren Job in Höfer nicht länger ausüben können.  Quelle: Alex Sorokin
Höfer

HÖFER. Am Sonntag wird er sein Geschäft an der Hauptstraße zum letzten Mal öffnen, dann ist Schluss. Der Grund sind nicht mangelnde Umsätze, vielmehr macht ihm die bevorstehende Einführung des Mindestlohns einen Strich durch die Rechnung.

Seit über zehn Jahren betreibt Herwert einen Kiosk an der Oppershäuser Straße in Lachendorf, seit gut fünf Jahren einen zweiten an der Beedenbosteler Straße in Ahnsbeck. Wobei Kiosk im Grunde eine Untertreibung ist, denn mit seinem Angebot stellt Herwert eigentlich eine Grundversorgung sicher. Das hatte er auch in Höfer geplant, wo es keine weiteren Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs gibt. Morgen wird es zum letzten Mal Sonntagsbrötchen geben.

"Wir haben ein bisschen Gewinn gemacht", sagt Herwert mit Blick auf Höfer. Richtig etabliert sei ein Geschäft erst nach drei Jahren, doch schlecht gelaufen sei es nicht. Nur den Mindestlohn hatte er vor acht Monaten nicht im Blickfeld. "Hätten wir es vorher gewusst, hätten wir Höfer gar nicht erst eröffnet", sagt der 55-Jährige.

Der Mindestlohn wird ihm nach seinen Angaben Mehrkosten von monatlich 3000 Euro bescheren. Konsequenz ist, dass Herwert Beschäftigten kündigen muss und er selber sowie seine Frau Birgit mehr Stunden hinter Tresen und Kasse stehen werden. Von den acht bis neun Kräften in Ahnsbeck und ebenso vielen in Lachendorf sollen jeweils zwei bis drei entlassen werden.

"Es ist eine Katastrophe", sagt Herwert. Denn nach der Belastung durch Miete – alle Räume sind gepachtet – und Energiekosten sind die Lohnkosten ein weiteres Problem. Und er weiß, dass er kein Einzelfall ist. Sein Zulieferer Lekkerland stelle alles auf den Prüfstand, denn der spüre, dass die Geschäfte zumachen.

Was ihm in diesem Zusammenhang besonders aufstößt, sind die Kontrollen durch den Zoll. "Die schauen, ob wir alles richtig machen. Ein Unding", sagt er. Überprüft würden die Stunden, geschaut werde wegen möglicher Schwarzarbeit.

An den Standorten Lachendorf und Ahnsbeck wollen Herwert und seine Frau mit ihrem Angebot durchhalten. "Die Stammkunden werden uns treu bleiben", ist er zuversichtlich. Wenn er 60 ist, will er aufhören – das ist in fünf Jahren.

Von Joachim Gries