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Eschede Mobbing als Chance für den Neustart
Celler Land Eschede Mobbing als Chance für den Neustart
17:54 23.06.2011
Wolfgang Rüdiger Kaufmann.
Eschede

„Warum geben die sich so viel Mühe mit dir?", diese Frage hat sich Wolfgang-Rüdiger Kaufmann erst Jahre später gestellt. Da hatte er seinen lukrativen Arbeitsplatz bei einer großen Versicherung in Hamburg längst verloren. Von neuen Vorgesetzten war er gemobbt worden, bis er aufgab, das Handtuch warf. Was er jahrelang gemacht hatte, war plötzlich nicht mehr richtig, sämtliche Genehmigungsanträge musste er umschreiben. „Ich habe vorher nie negative Erfahrungen gesammelt“, sagt Kaufmann rückblickend. Eine Welt sei für ihn vor zwölf Jahren zusammengebrochen.

Kaufmann begann bei einem Unternehmen, das der Versicherung nahe stand, in der Probezeit wurde er rausgeworfen. Der Fachwirt der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft versuchte, als Angestellter unterzukommen. Dann wurde er arbeitslos. Er machte sich selbstständig. „Ich habe Haus und Hof verloren, die Familie ging kaputt.“

Dann fand er einen Menschen, der ihm Mut machte. Er begann, systematisch sein Leben wieder aufzubauen. Er las viel und schrieb seine Erfahrungen auf. Und er formulierte für sich: „Was will ich, wo will ich hin.“

„Mobbing kann der Beginn einer phantastischen Persönlichkeitsentwicklung sein“, sagt Kaufmann heute. Wenn man seine eigenen Stärken erkenne und umsetze, könne es relativ einfach sein.

Seine Erfahrungen hat Kaufmann in zwei Büchern verarbeitet. „Hoppla, jetzt komme ich! Rückkehr aus der Mobbingwelt“ erschien 2009. In „Einmal Hölle und zurück… Eine Geschichte zum Nachdenken!“ hat Kaufmann seine Mobbing-Erfahrungen belletristisch verarbeitet: er bringt seinen Vorgesetzten um. „Alles nur geträumt und damit verarbeitet“, sagt der 57-Jährige.

Zurzeit macht Kaufmann eine Ausbildung beim Bundesverband ausgebildeter Trainer und Berater (BaTB) zum Trainer und Coach, im November soll sie abgeschlossen sein. Schon im September bietet er erste Trainings zur Persönlichkeitsentwicklung an. In einem Buch „BaTB Coaching Experten“ hat der Escheder als einer von 15 Autoren seine Mobbing-Erfahrungen und seinen Ausweg dargelegt. Und zurzeit arbeitet er an dem Buch „Erfolgsstrategien aus Lebenskrisen“.

Kaufmann hat die Erfahrung gemacht, dass man auf Freunde hören sollte und dass man durch Kommunikation zu eigenen Lösungen kommen kann. „Nicht verzweifeln, es gibt viele die helfen“, ist seine Überzeugung. Beim Coaching will er seinen Zuhörern auch vermitteln , sich zu fragen, was sie falsch gemacht haben in ihrem Leben. Man sollte nicht auf die Krise warten, sondern vorausschauen und schon vorher an Veränderungen arbeiten.

Von Joachim Gries