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Eschede 8 Einwohner und ganz viel Kundschaft
Celler Land Eschede 8 Einwohner und ganz viel Kundschaft
16:04 14.12.2018
Quelle: Joachim Gries
Aschauteiche

„Halb zehn, das heißt in Aschauteiche Frühstücksraum“, sagt Torben Heese. Dann machen die Mitarbeiter der Teichwirtschaft, von denen die ersten um 5 Uhr starten, Pause. Doch der Chef nimmt sich Zeit fürs Gespräch – trotz Weihnachtsstress. Im Betrieb gilt jetzt Urlaubssperre, die ganze Familie ist vor den Festtagen eingespannt. Ehefrau Rebecca nimmt am Telefon die Bestellungen entgegen, 120 bis 150 Anrufe sind von ihr und den Mitarbeiterinnen am Tag zu bewältigen.

Bis Heiligabend geht das so. An dem Vormittag wird sich die Schar der Abholer über den Steg bis zum Parkplatz schlängeln. Um 12 Uhr ist Feierabend. Dann wird ein Stündchen mit den 15 Mitarbeitern auf das Weihnachtsfest eingestimmt, es geht familiär zu. Das Silvestergeschäft wird deutlich ruhiger.

Am Dienstag gingen 275 Sendungen auf Reisen

Draußen vorm Verkaufsraum steht zurzeit ein Pavillon, darunter Rollcontainer mit den Versandpaketen für die Post. Allein am Dienstag gingen 275 Sendungen auf Reisen. Auch Joachim Jelpke aus Uelzen hat eben ein Paket in Auftrag gegeben, seine Vorbestellung holt er nächste Woche selbst ab. „Ich bin Stammkunde“, sagt er und steigt wieder ins Auto. Auf 70 Prozent beziffert Torben Heese die Zufallskunden, die hier die Autofahrt unterbrechen und einkaufen.

Seniorchef Joachim Heese pustet derweil vorm Grundstück den Radweg frei. „Sieht doch schlimm aus hier“, sagte der 80-Jährige. Er ist jeden Tag im Gelände unterwegs und sieht an Teichen und Dämmen nach dem Rechten.

Aschauteiche Begriff für Feinschmecker

Heese Aschauteiche ist seit Jahrzehnten ein Begriff für Feinschmecker. Seit der Gründung 1906 betreibt die Familie die Teichwirtschaft, Torben Heese bereits in der vierten Generation. Erst 2015 hat er kräftig investiert, die Schlachterei und Räucherei vergrößert und auf den neuesten Stand gebracht. Drinnen arbeitet unter anderem Omid Khorshidi. Der studierte Fischwirt floh aus dem Iran, hier wurde seine Ausbildung nicht anerkannt, also musste er neu beginnen.

Aschauteiche ist kein Dorf, es ist ein „Wohnplatz“. Fünf Hausnummern, acht ständige Einwohner. Es gibt nur ein schmales grün-gelbes Ortsschild neben der Bundesstraße 191. Tempo 70 und Überholverbot werden oft ignoriert. „Nur nachts zwischen 1.30 und 4 Uhr ist es ruhiger“, sagt Rebecca Heese. Die beiden Kurven sorgten immer wieder für schwere Unfälle. Direkt vor Heeses Haus verlor vor vielen Jahren mal ein junger Mann sein Leben bei einer Frontalkollision, die Angehörigen stellen noch immer Blumen an sein Kreuz.

Produziert werden Karpfen und Schleien

Beiderseits der Bundesstraße erstrecken sich die 50 Teiche mit einer Gesamtwasserfläche von 75 Hektar. Gespeist werden sie von der Aschau, die ihnen den Namen gibt. Die Aschau entsteht aus dem Zusammenfluss von Daller Bach und Drellebach, wer in Heimatkunde aufgepasst hat, erinnert sich. Produziert werden Speisefische wie Karpfen oder Schleien, Zierfische wie Goldorfen oder Futterfische wie Bitterlinge. Die Forellen werden zugekauft und veredelt, geräuchert, gebeizt, gebraten.

Nicht nur Feinschmecker steuern Aschauteiche an. Auch ungebetene Gäste bedienen sich: Reiher und Kormorane, Fischadler, Seeadler und Fischotter dezimieren den Bestand. Kormoran und Reiher dürfen in beschränktem Maß gejagt werden. Die Winterteiche, in denen die Tiere das nächste Jahr abwarten, sind durch zwei Kilometer Elektrozaun geschützt, er soll den Fischotter fernhalten. Helge John, für den Außenbetrieb zuständig, kontrolliert regelmäßig, denn Wildschweine können den Zaun schnell flachlegen.

Wanderung durchs Vogelschutzgebiet

Den geringsten Teil an Fischen stibitzen Eisvögel, die mit ein bisschen Glück anzutreffen sind. Eine Wanderung durch die Teiche lohnt allemal, hier im FFH- und Vogelschutzgebiet. Nicht nur im Herbst und Frühjahr, wenn hier die Zugvögel rasten. Das ganze Jahr über können hier viele Arten beobachtet werden. Antje Meyer aus Eschede dreht hier jeden Tag mit dem Dackel ihre Runde. Jetzt im Winter liegt ein Teil der Teiche brach, es wird Schlamm ausgebaggert, es werden Dämme repariert, Mönche erneuert, mit denen der Wasserstand reguliert wird.

Noch ein zweiter Betrieb ist in Aschauteiche heimisch. Wasserpflanzen werden in vielen Becken und einigen Gewächshäusern gezüchtet und vermehrt. Jetzt ist Winterpause. Chef Jörg Petrowsky ist im Büro anzutreffen, will aber partout nichts erzählen. Erst im Frühjahr geht es bei ihm wieder los, wenn die Vegetation in Schwung kommt.

"Verkehr auf der Bundesstraße höre ich gar nicht"

Einen Steinwurf weiter wohnt Gisela Juckel, mit 82 Jahren ist sie die älteste Einwohnerin. 1963 kam sie mit ihrem Mann hierher, sie bewirtschafteten 18 Jahre lang den landwirtschaftlichen Betrieb. Sie hat 40 Jahre bei Heese gearbeitet, erst vor gut zwei Jahren war Schluss. „Hier will ich nie weg“, sagt sie. Wald, Wasser, Tiere, alles gefällt ihr so gut. Sie füttert die Vögel, die Eichhörnchen kommen vorbei, ein Fuchs lässt sich von ihr regelmäßig verwöhnen. „Den Verkehr von der Bundesstraße, den höre ich gar nicht.“

Von Joachim Gries

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