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Eschede Nach Berliner Attentat: Wolfgang Vogt aus Höfer erinnert sich an La-Belle-Terror
Celler Land Eschede Nach Berliner Attentat: Wolfgang Vogt aus Höfer erinnert sich an La-Belle-Terror
16:55 22.12.2016
Von Simon Ziegler
Die Schlagzeilen über den Terror in Berlin bringen Wolfgang Vogt die Ereignisse vom April 1986 wieder ganz nahe, als ein Anschlag auf die Disko La Belle drei Tote forderte. Quelle: Michael Schäfer
Höfer

HÖFER. Wolfgang Vogt war in der Nacht der erste Helfer vor Ort. Er war Zugführer bei der Feuerwehr in Schöneberg. „Ich hatte den ganzen Tag Dienst“, erinnert sich der 81-Jährige. Um 1.45 Uhr detonierte der Sprengsatz, der mit Nägeln und Eisenstücken angereichert war. Die Feuerwehr wurde zur Disko alarmiert. Dort bot sich den Einsatzkräften ein Bild des Schreckens. Blutüberströmte Menschen liefen ins Freie. „Einen habe ich rausgebracht, der lag hinter einer Tür. Ihm fehlte ein Bein“, berichtet Vogt. „Das sah ganz furchtbar aus.“ Zum Zeitpunkt des Anschlags hatten sich etwa 260 Leute in dem Gebäude befunden, das total zerstört wurde. Die Disko wurde nie wieder aufgemacht.

La Belle war vor allem bei Amerikanern sehr beliebt. Als Auftraggeber des Attentats wurde die Regierung Libyens unter Muammar al-Gaddafi vermutet. Vogts Aufgabe bestand nach dem Anschlag vor allem darin, weitere Einsatzkräfte anzufordern. Also alarmierte der Zugführer Rettungsfahrzeuge und Notärzte. Schnell waren amerikanische Einsatzkräfte vor Ort. „Die dachten zuerst, es sei ein Anschlag auf eine Kaserne verübt worden“, erinnert sich Wolfgang Vogt.

Es war sein größter Einsatz als Feuerwehrmann. Ein paar Wochen später wurde er vom Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses ins Rathaus Schöneberg eingeladen, wo ihm für seinen „aufopferungsvollen Einsatz“ gedankt wurde.

Nachdem Wolfgang Vogt und seine Frau bereits in den 1970er Jahren in Höfer ein Haus gebaut hatten, zog das Paar 1989 endgültig ins Celler Land. Auch hier engagierte sich Wolfgang Vogt in der Feuerwehr. 2014 wurde er mit dem Goldenen Feuerwehr-Ehrenzeichen am Bande ausgezeichnet.

Nach dem Attentat auf dem Breitscheidplatz hat sich der 81-Jährige sofort an die schreckliche April-Nacht im Jahr 1986 erinnert. Er hat mit früheren Kollegen telefoniert, Erinnerungen wurden ausgetauscht. Bei allen Unterschieden der beiden Terroranschläge gebe es auch viele Gemeinsamkeiten. „Ich verstehe nicht, wie Menschen so etwas machen können“, sagt er. „Wie können Menschen anderen Menschen so etwas antun? Was geht in ihnen vor?“