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Eschede Nach Fährunglück: Koreaner recherchieren in Eschede
Celler Land Eschede Nach Fährunglück: Koreaner recherchieren in Eschede
18:06 15.05.2014
CZ-Redakteur Joachim Gries (rechts) an der Gedenkstätte für die Opfer der ICE-Katastrophe im Gespräch mit (von links) Kim Bookyung, Chin Im und Shin Sang-Min, die einen Beitrag für den Fernsehsender KBS drehen.  Quelle: Benjamin Westhoff
Eschede

Vor vier Wochen sank die Fähre „Sewol“ mit 476 Menschen an Bord, darunter 339 Schüler und Lehrer einer Schule in Asan, vor der südkoreanischen Küste. Inzwischen wurden 281 Tote geborgen, 23 Menschen werden auch vier Wochen nach der Katastrophe noch immer vermisst. Im Auftrag des öffentlich-rechtlichen südkoreanischen Senders KBS recherchiert zurzeit ein dreiköpfiges Fernsehteam in Deutschland, wie hier schwere Unglücke und die Folgen bewältigt werden. Im Mittelpunkt der Recherchen von Chin Im, Produzentin Shin Sang-Min und Assistentin Kim Bookyung stand dabei das ICE-Unglück vom 3. Juni 1998 in Eschede.Im lebt seit 1999 in Deutschland, sie spricht fließend Deutsch und ist hier für viele Medien in Südkorea tätig, knüpft die Kontakte und tritt als Dolmetscherin auf. Zusammen mit ihren beiden Kolleginnen, die am Montag aus Seoul anreisten, interviewte sie am Dienstag im Escheder Rathaus Bürgermeister Günter Berg und traf sich anschließend mit CZ-Redakteur Joachim Gries an der Gedenkstätte neben der Rebberlaher Brücke, wo sich vor fast 16 Jahren das Unglück mit 101 Todesopfern ereignete.Der Fragenkatalog des koreanischen Teams war umfangreich. Wie ist der Rettungseinsatz abgelaufen, wie wurde er koordiniert, welche Kräfte wurden eingesetzt? Zudem ging es um die Bewältigung des Traumas durch die Opfer und die Angehörigen, aber auch um die Bewältigung der Folgen für die eingesetzten Helfer. In der Redaktion der CZ ließen sie sich Bilder von dem Geschehen im Frühsommer 1998 zeigen.Weitere Interviewpartner waren am Mittwoch Dr. Ewald Hüls von der Zentralen Notaufnahme des Allgemeinen Krankenhauses Celle und Maik Treptow vom DRK Celle. Gestern stand zudem ein Besuch bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg auf dem Programm, dort war nach der ICE-Katastrophe das Ermittlungsverfahren gegen die Deutsche Bahn geführt worden. Anschließend wollte das Team nach Hessen fahren, um dort die Folgen des ICE-Unfalls vom April 2008 zu recherchieren. Damals war ein Zug im Landrückentunnel, dem längsten Tunnel Deutschlands, in eine ausgebrochene Schafherde gerast und entgleist, 23 Menschen waren schwer, 17 leicht verletzt worden.Das Fährunglück von Südkorea bezeichnete Im als Scham und Schande für die Nation. Es seien viele unheimliche Dinge im Hintergrund enthüllt worden. So viele Opfer hätten nicht sein müssen, aber die erste Rettungsaktion sei verzögert worden, zudem sei das Schiff überladen und die Ladung nicht korrekt gesichert gewesen. Bei dem Umbau der Fähre vor einigen Jahren sei die technische Sicherheit beeinträchtigt worden. Schockiert sei das Land, weil so viele Jugendliche unter den Opfern sind.

Von Joachim Gries