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Eschede Nahtz sammelt rechtsaußen Wählerstimmen
Celler Land Eschede Nahtz sammelt rechtsaußen Wählerstimmen
13:46 13.09.2017
Joachim Nahtz tritt am 22. September bei der Bundestagswahl - für die NPD an. Quelle: Alex Sorokin
Eschede

Der rechtsextremen Szene aus ganz Norddeutschland hatte Nahtz in den vergangenen Jahren immer wieder die Möglichkeit gegeben, auf einer Wiese hinter seinem Hof an der Escheder Peripherie Sonnwendfeiern, Erntefeste und Rechtsrock-Konzerte zu veranstalten. Ob NPD-Anhänger, die Celler Kameradschaft 73, die Snevern Jungs aus Schneverdingen oder Junge Nationaldemokraten, alle tummelten sich auf seinem Grundstück. Das hatte Proteste hervorgerufen, obwohl nach Nahtz Angaben in 30 Jahren nie etwas passiert ist.

Der Kandidat interessiert sich nach eigenen Angaben seit über 60 Jahren für Politik, in politischen Gremien hat er nie mitgearbeitet. Als 16-Jähriger sammelte er Unterschriften für die „Rotjacken“, deutsche Soldaten in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, die Sozialistische Reichspartei war damals seine politische Heimat. Sie wurde 1952 vom Bundesverfassungsgericht verboten, weil sie neonazistisch ausgerichtet war und sich in der Tradition der NSDAP sah. Über die Deutsche Reichspartei, die bis 1965 bestand, kam Nahtz zur NPD. Sie ist auch heute noch, nach einem Intermezzo bei den Republikanern, seine politische Heimat.

Bereits 2005 hatte Nahtz für den Bundestag kandidiert, zweimal war er zur Wahl für den niedersächsischen Landtag angetreten. Sein aktueller Wahlkampf beschränkt sich auf das Aufhängen von Plakaten, in den nächsten Tagen soll ein kleines Flugblatt verteilt werden, ein paar Freunde helfen ihm dabei. Infostände und Wahlkampfauftritte sind nicht geplant. „Mir geht es nicht um Posten, ich weiß, es wird nichts mit der Wahl“, schätzt er seine Chancen ein. Nahtz spricht von einem „scheindemokratischen Einheitsbrei“ in Deutschland. Er sehe, was alles schief laufe und wehre sich dagegen, dass die Deutschen immer die Bösen sind.

„Wer die NPD wählt, weiß, dass er sich mit dem Unappetitlichsten gemeinmacht, was das Land zu bieten hat“, schrieb kürzlich Anetta Kahane, die Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.

Joachim Gries

Von Joachim Gries