Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Eschede Nahtz zahlt nicht: Kirche kündigt Pachtvertrag
Celler Land Eschede Nahtz zahlt nicht: Kirche kündigt Pachtvertrag
15:06 11.11.2010
Eschede

Eigentlich wäre er 2014 ausgelaufen, jetzt hat die Escheder evangelisch-lutherische Johannis-Kirchengemeinde den Pachtvertrag mit Landwirt Joachim Nahtz gekündigt. Der Grund: Nahtz hatte seinen Pachtzins nicht bezahlt. Am Mittwoch gab Superintendent Hans-Georg Sundermann die Kündigung des Vertrags im Kirchenkreistag bekannt. Sundermann sprach von einer guten Nachricht.

Seit Jahrzehnten gehörte Nahtz zu den Pächtern von Kirchenland. Dass die Kirche einem erklärten Rechtsextremisten Land verpachtet, hatte zunehmend Kritik hervorgerufen, seit sich bei Nahtz die norddeutsche Neonazi- und Kameradschaftsszene regelmäßig zu Sonnwendfeiern und Erntefesten sowie Rechtsrock-Konzerten traf. Die Kirche hatte nach der Prüfung durch Juristen keine Möglichkeit zur vorzeitigen Kündigung gesehen. Die lieferte ihr jetzt Nahtz.

1456,52 Euro musste er jährlich für die beiden Flächen mit insgesamt 11,5 Hektar am Finkenberg unweit seines Hofs zahlen. Auffallend oft habe er in der Vergangenheit Raten gezahlt, nachdem bei ihm Veranstaltungen mit Neonazis stattgefunden hatten, sagte ein Insider der CZ. Anfang des Jahres beschloss der Escheder Kirchenvorstand im Einvernehmen mit dem Kirchenkreisvorstand, das Pachtgeld in einen Fonds gegen Rassismus und rechtsextreme Gewalt einzuzahlen und damit Demonstrationen gegen die Treffen von Rechtsextremisten in Eschede zu unterstützen.

Im Januar 2010 zahlte Nahtz zum letzten Mal: einen Restbetrag für das 2009 abgelaufene Pachtjahr. Nach mehrmaliger Mahnung kündigte das Kirchenamt Celle, das Grundstücksangelegenheiten für die Kirchengemeinden regelt, am 4. Oktober den Pachtvertrag. Die Kündigung wurde per Einschreiben verschickt, am Nachmittag des gleichen Tages wollte Nahtz beim Amt einen Teil der ausstehenden Summe zahlen. Dabei wurde ihm nach Angaben von Friedhelm Kleinke vom Kirchenamt die Kündigung eröffnet. Nahtz ist danach den vollen Pachtzins für das Pachtjahr schuldig geblieben, das am 30. September 2010 endete.

„Es ist also kein Kirchenland mehr in der Hand von Leuten, die den norddeutschen Rechtsradikalen einen Treffpunkt bieten“, hatte Sundermann in der Sitzung des Kirchenkreistags festgestellt.

Rolf Meyer, SPD-Chef im Landkreis Celle begrüßte die Kündigung. „Es sind gerade auch die deutlichen Aussagen aus der Kirche, die den Menschen in der Region Mut machen im Widerstand gegen die rechtsextremistischen Aktivitäten von Nahtz und Konsorten“, sagte Meyer.

Von Joachim Gries