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Eschede Orgelraritäten in Eschede
Celler Land Eschede Orgelraritäten in Eschede
17:11 21.06.2016
Eschede

Frescobaldi, Muffat und Walther sind schon eher selten in den Programmen hierzulande, die anderen Komponistennamen sind gar totale Raritäten. So konnte man sich auf einen Abend freuen, der möglicherweise die eine oder andere musikalische Entdeckung würde bringen können. Leider jedoch wurde man weitgehend enttäuscht. Das lag allerdings weniger an den Stücken als an der Art der Aufführung.

Andrae spielte diese so unterschiedlichen Werke bis auf ganz wenige Ausnahmen – das erste Bruna-Stück und die Muffat-Toccata – alle so, als wären sie vom gleichen Komponisten. Die abenteuerlichen Läufe bei Frescobaldi kamen so akademisch rüber, dass sich nichts von der in dieser Musik sich spiegelnden Spiellust vermittelte. Warum Andrae zudem so viele Stücke Frescobaldis auswählte, obgleich er in keinem Moment den Eindruck vermittelte, einen Zugang zu dieser Musik gefunden zu haben, das blieb unergründlich. Die drei Choräle des norddeutschen Orgelmeisters Hanff gelangen besser, wohingegen sich von der Genialität Johann Gottfried Walthers, einem gewichtigen Zeitgenossen Bachs, wenig vermittelte. Wie sollte das auch gelingen, wenn permanent fast alles, nicht nur bei diesem Komponisten, in einem ungefähr gleichen Tempo gespielt wird. Und die spezifischen Eigenarten einer ungewöhnlichen Kompositionsweise herauszuarbeiten, gehört eben zu den wichtigsten Fähigkeiten eines Musikers. Andrae gelang dies zwar ansatzweise beim ersten Bruna-Stück, aber überzeugend wäre das erst dann geworden, wenn Andrae hier mal gewagter registriert hätte, um zumindest dem Hörer anzudeuten, welche ganz andere Klangwelt hinter diesen Kompositionen steht. Das geht auch an einer solch kleinen Orgel. Zum Schluss gab es noch eine der großen Muffat-Toccaten. Obwohl man auch da nicht von einer inspirierten Wiedergabe sprechen konnte, so hat sich bei diesem Stück doch zumindest ein wenig von der Besonderheit dieses italienisch und französisch geprägten süddeutschen Komponisten vermittelt.

Von Reinald Hanke