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Eschede Protest gegen Rechts in Eschede
Celler Land Eschede Protest gegen Rechts in Eschede
19:01 15.06.2016
Die letzte Demonstration gegen Nazitreffen in Eschede hatte es im Dezember 2015 gegeben. Quelle: Alex Sorokin
Eschede

Die Auftaktkundgebung beginnt um 13 Uhr am Bahnhof Eschede, von dort bewegt sich der Demonstrationszug durch die Bahnhofsunterführung über die Hermannsburger Straße zur Kreuzung Am Finkenberg/Zum Dornbusch. Hier startet um 14 Uhr eine weitere Kundgebung.

Kutlu Yurtseven von der Microphone Mafia und Holger Burner werden dort mit ihrer Musik dabei helfen, den Nazis „den Marsch zu blasen“, aber nur im bildlichen Sinne. Beide werden live auf der Kundgebung rappen. Und alle Teilnehmenden sind eingeladen, mit Trillerpfeifen und sonstigen Hilfsmitteln ordentlich Lärm machen. Geplant sind Redebeiträge zu den Themen Rassismus, Neofaschismus und Rechtspopulismus. Und bei Kaffee und Kuchen wird es genügend Möglichkeiten geben, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Ende der Veranstaltung ist für 17 Uhr geplant.

Seit den 1990er Jahren finden auf dem Hof von Joachim Nahtz Nazitreffen statt. Es handele sich dabei nicht nur um die oftmals verharmlosend genannten Brauchtumsfeiern wie Sonnwendfeiern und Erntedankfeiern, sagt Kirsten Dieckmann vom Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus. Diese Treffen seien keine reinen Vergnügungsveranstaltungen und schon gar nicht „Privatvergnügen“. Vielmehr strahlten diese Treffen nach außen: Bei den gemeinsamen Feiern würden Kontakte geknüpft und gepflegt, das gemeinsame, rassistische Weltbild zelebriert, und innerlich gestärkt zögen die Nazis vom Hof – auf zu neuen Taten.

Neben diesen Brauchtumsfeiern gab und gibt es bei Nahtz auch andere Zusammenkünfte: Bereits 1992 fand hier eine Wehrsportübung statt, die NPD sowie ihre Jugendorganisation der JN trafen sich, es gab ein Treffen der inzwischen verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend, und 2010 fand ein Nazi-Rockkonzert mit 600 Neonazis aus dem In- und Ausland statt.

Nachdem Nahtz 2013 einen großen Teil seines Grundstücks verkauft hatte, keimte die Hoffnung auf, dass die Treffen nun ein Ende hätten. Nachdem es 2014 auf seinem Hof brannte, erfuhr Nahtz Unterstützung aus rechtsextremem Kreisen, die ihm beim Wiederaufbau halfen, so dass im Winter 2014 erneut eine Wintersonnwendfeier bei ihm stattfand und die unselige Tradition seitdem wieder weitergeführt wird.

Unter dem Motto „Hand in Hand gegen Rassismus – für Menschenrechte und Vielfalt“ ruft das Netzwerk Ort der Vielfalt Hermannsburg am Samstag von 17.30 bis 18 Uhr zu einer Menschenkette auf. Sie soll sich zwischen dem Gelände der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie (FIT) an der Missionsstraße und dem Museum an der Harmsstraße erstrecken. Die Aktion findet bundesweit statt, unabhängig von Glaube, Herkunft, Hautfarbe und sexueller Identität treten die Teilnehmer für die Unantastbarkeit der Menschenwürde und die Wahrung der Menschenrechte ein.

Von Joachim Gries