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Eschede Rechtsrock-Konzert bei Nahtz
Celler Land Eschede Rechtsrock-Konzert bei Nahtz
16:54 17.08.2010
Marcus Winter im Juni 2008 in Eschede Quelle: Joachim Gries
Eschede

1945 war der Krieg zu Ende, Millionen KZ-Opfer, Gefallene und tote Zivilisten waren zu beklagen, in vielen Ländern lagen Städte und Dörfer in Schutt und Asche. Zwölf Jahre Nazi-Herrschaft in Deutschland hatten Europa verheert. „12 Golden Years“, zwölf goldene Jahre nennt sich die Thüringer Band, die schon mit ihrem Namen die Nazi-Zeit verherrlicht. Am Sonnabend soll sie im Rahmen eines großen Rechtsrock-Konzerts in Eschede auf dem Gelände des Neonazis Joachim Nahtz auftreten. Außerdem sollen „Sturmtrupp“, „Sturmwehr“, „Strong Side“, „Alte Schule“, „Oidoxie“ und die schwedische Band „Endless Pride“ auftreten.

„Vor allem die Dortmunder Gruppe „Oidoxie“ um Marco Gottschalk ist dafür bekannt, dass ihre Lieder das Publikum dazu reizen, den Hitlergruß zu zeigen oder nationalsozialistische Parolen zu grölen“, heißt es auf der Homepage „NRW rechtsaußen“ zu der Veranstaltung. Bei den angekündigten Bands seien es die Liedtexte, die strafbare Handlungen erwarten ließen, heißt es auf der Seite weiter, die über die extreme Recht in Nordrhein-Westfalen berichtet.

Eingeladen zu dem Konzert hat der Mindener Neonazi und Rechtsextremist Marcus Winter. Er war in den vergangenen Jahren auch bei den Sonnwendfeiern auf dem Hof Nahtz anwesend. Angezeigt wurde den Behörden in Eschede und Celle die Veranstaltung auf dem Hof Nahtz als „Verlobungsfeier“. Im Internet kursieren Flyer, mit denen Winter zu seiner „Jetzt-kommt-der- Winter“-Party einlädt. In die „persönliche Einladung“ muss noch ein Name eingetragen werden, außerdem darf der so „Eingeladene“ noch vier seiner Freunde mitbringen. Einlass soll ab 17 Uhr sein, das Konzert soll um 18 Uhr starten.

Die Antifaschistische Aktion Uelzen/Lüneburg hat für Sonnabend ab 16 Uhr zu einer Demonstration aufgerufen und diese am Montag beim Landkreis Celle angemeldet. „Kein Nazikonzert in Eschede! Dem rechten Sound-Dreck den Saft abdrehen!“, heißt es auf der Homepage www.nazis-aufhalten.de. Wegen der unmittelbaren Nähe zum Todestag von Rudolf Hess sei das Konzert nicht nur eine Form neofaschistischer Freizeitgestaltung auf der grünen Wiese, sondern könne auch als eine Gedenkveranstaltung für die Naziikone Hess angesehen werden, heißt es dort weiter.

„Wir werden den Einsatz wie jeden anderen auch abarbeiten“, sagt Christian Riebandt, Sprecher der Polizei in Celle. Wie der Einsatz aussehen wird, werde von den Auflagen des Landkreises für die Demonstration abhängen. Auch müsse abgewartet werden, für wie viele Demonstranten die Kundgebung angemeldet werde. Das Konzert sieht die Polizei als Privatveranstaltung auf Privatgelände an. Auch hier sei es Sache des Landkreises zu entscheiden, ob die Veranstaltung genehmigungspflichtig sei.

Von Joachim Gries