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Eschede Rund 100 Menschen demonstrieren in Eschede gegen rechte Gruppen
Celler Land Eschede Rund 100 Menschen demonstrieren in Eschede gegen rechte Gruppen
23:29 19.06.2016
Im Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus organisierte Gruppen gingen am Samstag auf die Straße, um gegen rechte Strömungen und Treffen zu demonstrieren. Quelle: Alex Sorokin
Eschede

Von Weitem ertönen am Samstagmittag in Eschede laut die Trillerpfeifen und Rufe wie „Say it loud, say it clear, refugees are welcome here“, die Solidarität mit Flüchtlingen ausdrücken und ein Zeichen gegen Rassismus setzen sollen. Vom Bahnhof Eschede über die Hermannsburger Straße ziehen etwa 100 Teilnehmer zur Kreuzung Zum Finkenberg/Im Dornbusch, wo eine große Kundgebung geplant ist.

Unter dem Motto „Lautstark gegen Nazis“ wollen die Demonstranten heute gegen Rassismus eintreten und rechten Gruppen die Stirn bieten. Veranstaltungsleiter Dirk Garvels vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) erklärt in seinem Redebeitrag, dass seit den 1990er Jahren auf dem Hof Nahtz Nazitreffen stattfänden. Bei diesen Treffen „würden Kontakte geknüpft und das gemeinsame, rassistische Weltbild zelebriert“, so Garvels. „Wir wollen hier heute klarmachen, dass wir uns wehren und Hass gegen Menschen nicht zulassen“, sagt der Veranstaltungsleiter.

An der Demonstration nehmen im Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus organisierte Gruppen teil. Mit von der Partie sind neben dem Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus und DGB, auch unter anderem Vertreter der IG Metall Jugend, der Jusos in der SPD, der Partei Die Linke, der GEW, VVN und des Bunds der Antifaschisten sowie von Verdi. Auffällig ist, dass auch viele junge Demonstranten nach Eschede gekommen sind. „Ich finde es toll, dass so viele junge Leute heute mitmachen“, sagt Kirsten Dieckmann vom Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus.

Horst-Peter Ludwigs vom Celler Forum bringt das Anliegen der Teilnehmer auf den Punkt: „Wir haben uns hier versammelt, um erneut gegen die Verbreitung von rechter Hetze zu demonstrieren. Die moderne rechte Hetze ist intelligent verschlüsselt. Erschreckend viele Menschen beteiligen sich an fremdenfeindlichen Demonstrationen und rechte Parolen dringen zunehmend in den Alltag“, sagt Ludwigs.

Einen großen Anteil an der fremdenfeindlichen Stimmung habe die Partei „Alternative für Deutschland“. „Sie verbreitet rassistische Vorurteile gegen Geflüchtete, schürt Ängste und propagiert rechte Scheinantworten“, sagt Ludwigs, stellvertretend fürs Celler Forum. Es gebe eine spürbare gesellschaftliche Verschiebung nach rechts. Dem wollen die Demonstranten entgegenwirken.

Auch Holger Burner nimmt an der Kundgebung teil und drückt seine Botschaft aus, indem er über Fluchtursachen rappt und sich solidarisch gegenüber Flüchtlingen zeigt. Florian Faul, Unterbezirksvorsitzender der Jusos, sagt, dass es ihm und seinen Kollegen eine Herzensangelegenheit sei, an der Demonstration teilzunehmen.

Ludwigs kritisiert zum Teil die Bundes- und hiesige Politik in Bezug auf die Asylpakete, Waffenexporte ins Ausland und Drohungen mit Entzug der Leistungen. „Die Asylsuchenden werden in ein intransparentes Asylrechtslabyrinth geschickt und haben keine seriöse Chance auf Zugang zu individueller Beratung“, sagt Ludwigs. Er fordert abschließend, Flüchtlinge auch als Subjekte anzuerkennen, die für sich selbst sprechen dürfen und solidarisch zu handeln.

Von CZ