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Eschede Stallpflicht im Celler Land bedeutet Mehrkosten
Celler Land Eschede Stallpflicht im Celler Land bedeutet Mehrkosten
09:45 01.12.2016
Eschede

Für die Tiere des 76-jährigen Stamme in Eschede bedeutet das eine deutliche Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit. Stamme hat auf seinem rund 15.000 Quadratmeter großen Areal neben den Weideflächen auch Volieren. Doch er kann sie nicht nach oben schützen, sie haben kein Dach, Mit großen Planen kann er sie nicht absichern, weil der Regen nicht ablaufen könnte. Neben geschlossenen Ställen sind in der Landkreis-Anordnung auch nach oben und seitlich gegen Einträge von Wildgeflügel gesicherte Käfige oder Gehege erlaubt. Für Stamme scheidet diese Möglichkeit aber aus.

Stamme besitzt 80 Diepholzer Gänse, reine Weidegänse, wie er sagt. Ab Juni halten sie auf der Weide das Gras kurz. Er füttert Hafer und teilweise Gerste zu, Getreide, das in der Region angebaut wird. Außerdem bevölkern rund 100 Hühner sein Grundstück, seltene Rassen wie die Sizilianer Kronenkämme, rotgesattelte Italiener sowie Sussex-Hühner. Fuchs und Marder, Habicht und Sperber bedienen sich bei Stamme, damit hat er sich abgefunden. „Das Biotop stimmt hier“, kommentiert er diese Tatsache. Die Volieren sind zwar mit Netzen gegen die Greifvögel abgesichert, aber die komplette Wiese und der Teich lassen sich nicht schützen.

Etwa 20 Zuchtgänse will Stamme behalten, den restlichen 60 geht es früher an die Gurgel als sonst. Er wird sie in den kommenden Tagen nach und nach schlachten und einfrieren, damit sie dann zu Weihnachten bei seinen Kunden auf dem Tisch stehen. „Das Einfrieren hat keine Geschmackseinbußen zur Folge“, sagt Stamme. Die Gänse den ganzen Tag in den Ställen zu halten, ist nach seinen Worten problematisch: Jetzt beginne die Paarungszeit, die Ganter wählen jetzt ihre Partnerinnen aus, Konkurrenten beißen sich dabei in der Enge des Stalls blutig. Und Tiere mit Narben wollen die Kunden nicht kaufen.

Aufstallung bedeutet für Stamme auch mehr Arbeit und höhere Kosten. Die Tiere benötigen mehr Futter, weil sie draußen auf der Wiese ja nichts mehr finden. 150 bis 180 Euro gibt der Züchter in Normalzeiten im Monat dafür aus. Und er muss die Einstreu schneller wechseln, weil in den Ställen mehr Mist anfällt. Gerade die Gänse würden sich sonst sehr schnell einkoten. „Ob die Legeleistung gehalten wird, weiß ich noch nicht“, sagt er mit Blick auf die Hühner.

Die 6500 Hühner auf dem Kudammhof in Großmoor sind bereits seit zwei Wochen ausschließlich in den Ställen. Nach Angaben von Johannes Erkenz haben sie hier auch ausreichend Platz. Allerdings habe sich für die Tiere der Rhythmus geändert, da sie jetzt nicht mehr rauskönnen, wie sie wollen. Auch er müsse häufiger einstreuen.

Von Joachim Gries