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Eschede Sudanesischer Flüchtling verängstigt Nachbarn in Eschede
Celler Land Eschede Sudanesischer Flüchtling verängstigt Nachbarn in Eschede
18:15 31.03.2017
Der Kreistagsabgeordnete Charles Sievers (rechts) informiert sich vor Ort bei den Escheder Anwohnern Michael Besoke, Sabrina Wind und Marleen Beister (von links) über das aggressive Verhalten des Flüchtlings. Quelle: Oliver Knoblich
Eschede

Betrunken soll der Sudanese regelmäßig nicht nur Sabrina Wind, sondern auch die anderen Anwohner wie Marleen Beister, Michael Besoke und Winds Vermieterin Babet Felsmann bedrohen. Außerdem soll er mehrfach im Escheder Edeka-Markt die Mitarbeiter bedrängt haben. Auf dem Parkplatz des Marktes soll sich Muhsin mit einem imaginären Maschinengewehr auf den Boden gelegt und auf Passanten "geschossen" haben. Die Liste der Vorfälle und Polizeieinsätze ist lang, die Gemeinde hat alles minutiös dokumentiert.

Die Anwohner sind verängstigt. Wind sorgt sich vor allem um ihre kleine Tochter. "Sie traut sich nicht mehr an ihm vorbei", sagt Wind und meint Muhsin. Das gelte auch für zahlreiche Schulkinder, die die Rebberlaher Straße täglich überquerten. Wind leidet sehr unter der Situation, inzwischen wurden bei ihr Schlafstörungen diagnostiziert.

Eine medizinische Erklärung für Muhsins Verhalten steht hingegen aus. Die Anwohner vermuten, dass er aufgrund von Kriegserfahrungen an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet. Auffällig sei, dass der Sudanese nur im alkoholisierten Zustand randaliere. "Nüchtern ist er nicht gefährlich", erzählt Besoke. Der Escheder, der sich in der Vergangenheit auch für die "Initiative Zusammen" engagiert hat, betont, dass die Anwohner Flüchtlinge generell willkommen heißen. Muhsin sei allerdings gefährlich und brauche Hilfe. "Man kann ihn nicht sich selbst überlassen", sagt Besoke.

Wind hat bereits mehrfach das Gespräch mit der Gemeinde gesucht, doch auch die Verwaltung ist mit dem aggressiven Asylbewerber überfordert. "Wir fühlen uns alleingelassen", sagt Eschedes Bürgermeister Günter Berg. Die Gemeinde hat bereits einige Hebel in Bewegung gesetzt, um die Lage zu entschärfen. So hat die Kommune zum Beispiel einen Antrag auf einen Betreuer für Muhsin gestellt, das Amtsgericht hat darüber jedoch noch nicht entschieden.

Außerdem hat sich Berg an Landrat Klaus Wiswe gewandt. Wiswe hat wiederum Kontakt zum niedersächsischen Innenministerium aufgenommen mit der Bitte, Muhsin in eine Landesaufnahmeeinrichtung zu überführen. "Eine Antwort liegt bisher nicht vor", teilte Marcus Carteuser vom Landkreis Celle mit. Das Innenministerium sieht den Landkreis in der Pflicht, "geeignete Maßnahmen zu ergreifen", wie es auf CZ-Anfrage heißt. Muhsins Asylantrag soll vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nun vorrangig bearbeitet werden.

Unklar bleibt, wie eine Lösung der Situation in Eschede aussehen kann. Die zuständigen Behörden weisen die Verantwortung von sich. Fakt ist, dass eine zwangsweise Therapie für Muhsin laut Landkreis nicht angeordnet werden kann. Der Kreistagsabgeordnete Charles Sievers (FDP) verfolgt den Fall intensiv und pocht auf Hilfe für Muhsin. "Das schulden wir ihm, weil wir ihn auch aufgenommen haben", sagt Sievers.

Von Amelie Thiemann