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Eschede Tango-Messe sorgt für Begeisterung in Escheder Kirche
Celler Land Eschede Tango-Messe sorgt für Begeisterung in Escheder Kirche
17:26 13.02.2012
Von links: J¸rgen Malecki (Kontrabass), Michael Fanger (Tenor), Katharina Pf‰nder (Violine), Maren Kallenberg (Piano) und MarlËne ClÈment (Akkordeon) im Altarraum der Escheder St.Johannis-Kirche. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Eschede

Mit einem emotionsgeladenen „Dona nobis pacem“ (Gib uns Frieden) ging am Sonntag in der voll besetzten Escheder St.Johannis-Kirche eine außergewöhnliche Messe zu Ende, die von Herz und Seele, Leidenschaft und Dramatik geprägt war: Das Hildesheimer Ensemble „faux pas“ unter der Leitung von Marlène Clément (Akkordeon, Bandoneon) mit Katharina Pfänder (Violine), Maren Kallenberg (Piano), Aron Weigl (Gitarre) und Jürgen Malecki (Kontrabass) sowie den Gesangssolisten Julia Aichinger (Sopran), Antje Siefert (Alt), Michael Fanger (Tenor) und Daniel Pohnert (Bass) sorgte mit der Tango-Messe „Misa à Buenos Aires“ aus der Feder des argentinischen Komponisten Martín Palmeri (*1965) für ungewöhnliche Rhythmen im Kirchenschiff, die man eigentlich nicht mit liturgischer Musik in Verbindung bringt. Ausgerichtet an Bachs Kompositionstechnik und vertraut wirkenden Harmonien etwa von Mozart und Vivaldi war es insbesondere die an Piazollas Tango Nuevo orientierte Rhythmik, die die strengen lateinischen Messetexte auf bewegende und mitreißende Weise mit der körperlich-sinnlichen Welt des argentinischen Tango zu verbinden wusste und so zu einer sinnträchtigen Verschmelzung von Klassik und Emotion, von Sakralmusik und südamerikanischer Glut führte.

Es erzeugte einen enormen Gänsehaut-Faktor unter den begeisterten Zuhörern, wie hochdifferenziert Sänger und Instrumentalisten mit suggestiver Kraft und Eindringlichkeit auf die breite dynamische Skala reagierten, die Palmeri in seinem Werk einsetzt. Schon das in flehentlich-dramatischem Ton und vibrierender Intensität vorgetragene „Kyrie eleison“ verströmte pulsierende Energie und entfaltete ebenso wie das folgende „Gloria“ mit glühender Farbigkeit seine großen Steigerungs- und Spannungsbögen. Dazwischen gab es immer wieder herzbewegende Passagen von inniger Leuchtkraft und Empfindungsfülle, wie im „Credo“ und schließlich im „Dona nobis pacem“.

Die Tradition geistlicher Gesänge der Musica sacra, das Flair des Tangos und die feurige lateinamerikanische Musiksprache wurden von Palmeri ebenso kunstvoll wie packend zusammengeführt. Und dem Ensemble „faux pas“ ist es auf mitreißende Weise gelungen, in dieses besondere Feeling einzutauchen, diese Musik tief nachzuempfinden und immer wieder diesen magischen Augenblick im Tango zu erreichen, der sich wie ein exotischer Wirkstoff bis zur Extase ausbreiten kann.

Von Rolf-Dieter Diehl