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Eschede Vollkommenes Alpaka-Glück in Habighorst
Celler Land Eschede Vollkommenes Alpaka-Glück in Habighorst
18:07 14.08.2017
Ein Zwicken in die Nase nimmt Renate Barth mit Humor. Die 60-Jährige lebt mit ihrer Alpaka-Herde auf einem Hof in Habighorst. Ihre Schützlinge sollen nicht nur auf der Weide stehen: Barth möchte Spaziergänge für gestresste Menschen anbieten. Dafür übt sie zurzeit fleißig mit ihren Hengsten. Quelle: Oliver Knoblich
Habighorst

"Ich lebe hier im Paradies", sagt die 60-Jährige mit einem breiten Lächeln, breitet die Arme aus und dreht sich um die eigene Achse. Dann zeigt sie auf die Weide hinter dem Haus. Dort toben zwei Alpaka-Fohlen um die Wette, während die restliche Herde die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießt. Verzückt beobachtet Barth ihre Tiere. "Man entdeckt jeden Tag etwas Neues", erzählt sie.

Nach mehreren Fortbildungen zu Haltung und Zucht kaufte Barth 2013 ihr erstes Alpaka. Um ihren Traum von einer Alpaka-Zucht zu verwirklichen, suchte die Tierfreundin mit ihrem Mann Michael Möller-Barth nach einem Resthof und wurde in Habighorst fündig. Im November 2015 zog das Paar von Wietze in den Celler Ostkreis, zuerst mit zwei Alpakas, aber die Herde wuchs schnell.

Die Konsequenz: Anfang dieses Jahres gab Barth ihren Beruf als Versicherungsmaklerin auf und konzentriert sich voll auf ihre Alpakas. "Jetzt bin ich Landwirt ohne Ausbildung", zitiert die Habighorsterin den Stempel, den man ihr verpasst hat, und lacht schulterzuckend. "Dann bin ich das halt." Ihr Glück kann ohnehin nichts trüben, so scheint es.

Barth besitzt vorwiegend Alpakas vom Typ Huacaya. Das glatte, lange Fell eignet sich besonders gut, um daraus Kopfkissen oder Decken zu fertigen. "Das ist die edlere Faser", erläutert Barth. Doch auch Suri, der andere Alpaka-Typ, ist in ihrer Herde vertreten. Das gelockte Suri-Fell eignet sich zum Spinnen und zur Herstellung von Seifen. Die Namen ihrer tierischen Schützlinge sind ähnlich ausgefallen: Apollo, Aspergo und Theodore teilen sich das Gehege der Männchen, auf der Nachbarwiese stehen Zora, Zilly, Eowyn, Basinta, Belladonna, Gilette, Gabander und Justine.

Handgefertigte Alpaka-Produkte vertreibt Barth bereits auf ihrem Habighorster Hof unter dem Namen "Aschau Alpakas". Bald möchte sie auch "für gestresste Leute zum Entschleunigen" Spaziergänge mit den sanftmütigen Kamelen aus den Anden anbieten. "Das üben wir gerade", erzählt die Züchterin. "Es hat sich gezeigt, dass das mit den Hengsten besser geht." Jeden Morgen halftert Barth die auserwählten Alpakas und dreht mit ihnen einige Runden auf dem Hof. Auch Spaziergänge entlang der Straße traut sie sich und ihren Alpakas inzwischen zu. "Anfangs hatten die Tiere Angst, aber jetzt sind sie ganz entspannt." Bei dem Training arbeitet Barth ganz ohne Druck, denn sie weiß: "Es geht nur mit Freundlichkeit und Vertrauen."

Langfristig könne sich Barth vorstellen, mit den zutraulichen Alpakas zum Beispiel Seniorenwohnheime zu besuchen oder mit fachlicher Unterstützung Therapien für Menschen mit Behinderung anzubieten. "Ich bin für alles offen", betont Barth. Ihre Leidenschaft für Alpakas möchte sie mit so vielen Menschen wie möglich teilen.

Zurzeit ist Barths Freundin Iris Neumann auf dem Hof in Habighorst zu Besuch. Zu ihren Spaziergängen nehmen die Frauen die Alpakas mit – paradiesisch.

Von Amelie Thiemann