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Eschede Weg zur Einheitsgemeinde ist frei
Celler Land Eschede Weg zur Einheitsgemeinde ist frei
17:25 20.03.2012
Quelle: Ulrich Frassl
Höfer

HÖFER. Nach 40 Minuten war alles klar: „Ich kann mich nicht gegen die Entschuldungshilfe entscheiden“, sagte Rudolf Hornbostel (CDU). Damit war er das fünfte Ratsmitglied in Höfer, das Zustimmung zur Einheitsgemeinde signalisierte, die Mehrheit war erreicht. 20 Minuten später fiel das Votum deutlich aus: Sieben Stimmen dafür, eine Gegenstimme, eine Enthaltung. Die gut 30 Zuhörer, darunter Samtgemeindebürgermeister Günter Berg sowie die Bürgermeister aus Eschede und Habighorst, Gerd Bakeberg und Thomas Munder, und weitere Ratsmitglieder waren überwiegend erleichtert.

Geprägt war die Sitzung von persönlichen Erklärungen, nachdem Bürgermeister Michael Cruse noch einmal die Stationen des Meinungsbildungsprozesses in Höfer nachgezeichnet hatte. „Ich bleibe dabei, es wird nichts Gutes dabei rauskommen“, sagte Michael Teske (SPD). Sein Nein begründete er damit, dass die Einheitsgemeinde zugesagte Einsparungen nicht werde einhalten können und dann nach Alternativen gesucht werden müsse.

„Gegen die Entschuldungshilfe von 6,8 Millionen Euro kann man nicht sein“, sagte Heinrich Garbers (CDU). Er werde die Kröte schlucken. „Wenn wir zustimmen, sind die Nachteile überschaubar“, sagte Hans-Joachim Borck (SPD). Denn ohne das Geld drohe der finanzielle Kollaps und damit werde gefährdet, was eigentlich erhalten werden solle. Hans-Heinrich Thies (SPD) blickte in die Nachbarschaft. Garßen habe trotz langer Zugehörigkeit zur Stadt Celle seinen dörflichen Charakter erhalten, sagte er. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Randgemeinden in der Einheitsgemeinde randständig behandelt werden.

Ihr gehe es bei der Entscheidung richtig schlecht, erläuterte Heike Engel (SPD). Sie könne die Vereinbarung nicht unterschreiben, weil sie mit ständigen Nachbesserungen rechne, sagte sie und kündigte an, sich bei der Abstimmung zu enthalten. Anja Ahsendorf, die erst wenige Minuten zuvor als Ersatz für Gerhard Winkler in die SPD-Fraktion nachgerückt war, erklärte, ein Miteinander sei für sie besser als ein Gegeneinander. Sie werde zustimmen.

Hornbostel sprach von der Wahl zwischen Cholera und Pest. „Sterben werden wir sowieso“, sagte er und sprach von der schwersten Entscheidung: „Wir geben heute Höfer auf, um nichts dafür zu bekommen“, sagte der ehemalige Bürgermeister. Die Verträge seien nicht einhaltbar - gleichwohl stimme er zu. Damit war die Mehrheit sicher.

Eigentlich war der Rest nur noch Formsache. Jochen Dünnwald (CDU) hätte am liebsten für die Entschuldungshilfe, aber gegen die Gebietsänderung gestimmt, entschied sich dann aber doch für das Geld. Cruse zog abschließend ein Resümee. 100 Jahre habe die Gemeinde Höfer gelebt, 50 Jahre sei es bergauf gegangen, danach bergab. Man müsse erkennen, dass man es alleine nicht mehr schaffe. „Den neuen Weg werden wir heute einleiten“, sagte Cruse. Er schloss mit dem Bergmannsgruß „Glück Auf“.

Anschließend verständigte sich der Rat darauf, den 1. Januar 2014 als Datum für die Fusion anzustreben. So könnten die alten Haushalte auslaufen und ein erster gemeinsamer Haushalt aufgestellt werden. Dann wurde abgestimmt.

Von Joachim Gries