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Eschede Wer glättet Spannungsschwankungen
Celler Land Eschede Wer glättet Spannungsschwankungen
17:15 25.06.2012
Eschede

ESCHEDE. „Wie behandelt die SVO Energie ihre Kunden“?, diese Frage stellt sich Peter Lorz, seit im Dezember 2011 durch Spannungsschwankungen im Stromnetz in seinem Haus ein Schaden von über 1000 Euro entstanden war. Lampen leuchteten nicht mehr, zwei Radios stellten den Empfang ein, eine Akkuladestation versagte den Dienst. Am schwerwiegendsten war der Ausfall der Steuerungsanlage der Brennwertheizung. Das hatte zur Folge, dass fast eine Woche lang die Heizung ausfiel und Lorz unfreiwillig auf Wärme und Warmwasser verzichten musste. Regeltechnik und Bedienfeld mussten erst bei der Herstellerfirma in Süddeutschland beschafft werden.

Als Lorz die Kosten für die Reparatur der Heizung von der SVO erstattet haben wollte, gab es eine Absage. Das Energieversorgungsunternehmen verwies auf die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV), wonach der Netzbetreiber ausschließlich bei Vorsatz oder Fahrlässigkeit des Netzbetreibers oder deren Mitarbeiter haftet. Diese Voraussetzungen seien im vorliegenden Fall nicht gegeben.

Als am Vormittag des 9. Dezember 2011 die Spannungsschwankungen auftraten und die Lampen an- und ausgingen, suchte Lorz im Haus nach den möglichen Ursachen. Der Schutzschalter am Sicherungskasten hatte nicht ausgelöst; als er nicht fündig wurde, rief er den Störungsdienst der SVO an. Der rückte kurz darauf an, begann auf der Straße zu buddeln und legte die Muffe frei, in der der Hausanschluss von der Hauptleitung abzweigte. Die erwies sich dann als Ursache für die Spannungsschwankungen. Die Monteure hätten ihm gegenüber geäußert, dass entweder eine schlampige Ausführung bei der Verlegung der Muffe vor rund 40 Jahren oder eine Materialermüdung Grund für die Störung sein könnten, sagt Lorz.

Dass ihre Mitarbeiter diese Äußerung getätigt hätten, weist die SVO zurück. Es habe sich bei dem Fall um eine betriebsbedingte, nicht vorhersehbare und unabwendbare Versorgungsstörung gehandelt. Lorz befürchtet, dass auch andere die negative Erfahrung machen, die er bereits hinter sich hat. „Jeder Haushalt sitzt mit seiner Heizungsanlage auf einem Pulverfass“, sagt er. So ein Schaden könne ja überall auftreten. Die SVO stellt dazu fest, dass eine überhöhte Störanfälligkeit bei älteren Hausanschlüssen nicht bestehe.

Versichern könne man sich nicht gegen derartige Schäden. So lange nicht eindeutig geklärt sei, wer ursächlich verantwortlich dafür sei, dass die Muffe in Ordnung ist, müsse Lorz die Kosten tragen, sagt Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherer in Berlin. „Bei höherer Gewalt kann auch mal was kaputt gehen.“ Er rät zu einem Überspannungsschutz vor dem Haus.

Auch die SVO hatte Lorz darauf hingewiesen, dass es an ihm liege, sich mit geeigneten Vorkehrungen vor Schäden in seiner Hausanlage zu schützen. „Der Kunde muss abschätzen, was es ihm wert ist“, sagt Andreas Gerow, Pressesprecher der SVO Energie, zum Einbau eines Überspannungsschutzes. Von mehreren Elektroinstallateuren erhielt Lorz die Auskunft, dass in der normalen Praxis keine besonderen Vorkehrungen gegen Spannungsschwankungen getroffen werden.

Von Joachim Gries