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Eschede Wilderer erlegt kapitalen Hirsch bei Starkshorn
Celler Land Eschede Wilderer erlegt kapitalen Hirsch bei Starkshorn
16:14 30.09.2016
Als der Hirsch gefunden wurde, hatte er schon tagelang in der Sonne auf der Wiese gelegen. Er stank, Maden quollen aus dem Kadaver. Quelle: Richard Winkelmann
Starkshorn

Ein Jäger hatte am Dienstag vergangener Woche von einem Hochsitz aus Kolkraben beobachtet, die immer wieder eine Stelle auf einer Wiese anflogen. Beim Blick durch das Fernglas entdeckte er ein Geweih. Auf der Wiese fand er dann einen niedergestreckten Hirsch, der dort schon ein paar Tage gelegen hatte. Die Decke, das Fell, wies ein Loch auf, es fehlten Haare, aus dem Kadaver quollen Maden, kein Wunder bei den sommerlichen Temperaturen, die in den Tagen herrschten.

Richard Winkelmann ist Besitzer der Fläche, auf der das Tier gefunden wurde. Er informierte Kreisjägermeister Hans Knoop, der sich den toten Hirsch am nächsten Morgen anschaute. Erste Vermutungen, dass das Loch Folge eines Forkel-Kampfs, also einer Auseinandersetzung mit einem Kontrahenten war, bestätigten sich nicht: Bei der Untersuchung wurde festgestellt, dass zwei Geschosse das Tier durchschlagen hatten. Knoop informierte die Polizei und erstattete Anzeige wegen Wilderei. Eine Suche nach den Projektilen auf der Wiese durch die Ermittlungsbeamten blieb ohne Erfolg.

Eine knappe Woche zuvor, am Mittwoch, 14. September, waren kurz vor 23 Uhr bei Starkshorn Schüsse gefallen. Nicht ungewöhlich, wird doch derzeit gejagt. In der Nacht war es klar, zwei Tage später war Vollmond, bestes Büchsenlicht also für den Schützen. Ein Abschuss in dem Bereich wurde dem Hegering Eschede in den nächsten Tagen aber nicht gemeldet.

Warum der Hirsch nicht geborgen wurde, warum nicht das Geweih entfernt wurde, bleibt ein Rätsel. „Vielleicht wurde der Schütze gestört“, lautet Winkelmanns Vermutung. Vom Loher Weg aus, der bei Starkshorn von der L 181 in den Wald führt, ist die Wiese, auf der der Hirsch gefunden wurde, einzusehen. Und jetzt in der Brunftzeit sind viele Menschen im Wald unterwegs, um das Naturschauspiel zu verfolgen.

Bei dem Tier handelte es sich nach Knoops Angaben um einen „reifen Erntehirsch“, der elf Jahre plus X alt sein müsse, um in die Klasse 1 zu kommen. Auch der Kreisjägermeister findet es ungewöhnlich, dass nicht der Versuch unternommen wurde, dem Tier die Trophäe abzuschlagen. „Er kann gestört worden sein“, vermutet auch Knoop mit Blick auf den unbekannten Schützen. Dass in einem anderen Revier auf den Hirsch geschossen wurde und er sich dann bis zur Fundstelle schleppte, hält Knoop für unwahrscheinlich. Ein verantwortungsvoller Jäger hätte eine Nachsuche organisiert. Speziell geschulte Schweißhundeführer dürfen das angeschossene Tier dann auch in einem Nachbarrevier von seinem Leid erlösen. „Und man sagt den Nachbarn Bescheid“, nennt Eschedes Hegeringleiter Helge John als weitere Möglichkeit, ein Tier zu finden. Beides wurde in Starkshorn nicht getan, weshalb von Wilderei auszugehen ist.

Etwa drei Fälle von Wilderei werden dem Kreisjägermeister pro Jahr gemeldet. „Man tappt da im Dunkeln, man kommt nicht weiter“, sagt Knoop. Deshalb habe er jetzt Anzeige bei der Polizei erstattet. Die Polizei hat nach Angaben ihres Sprechers Thorsten Wallheinke in den vergangenen fünf Jahren 16 Mal wegen Wilderei ermittelt. Dabei sei es auch um Niederwild gegangen oder um das Legen von Schlingen.

Von Joachim Gries