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Eschede Wildpferde-Pläne bei Aschenberg gescheitert
Celler Land Eschede Wildpferde-Pläne bei Aschenberg gescheitert
17:22 02.01.2017
Aschenberg

Aus all dem wird nichts, die Vision ist wie eine Seifenblase zerplatzt. Der Grund: Der Mann, der das knapp acht Hektar große Gelände im November 2015 ersteigert hatte, leistete keinerlei Zahlung. Vermutlich noch in diesem Monat könne das Amtsgericht Celle einen neuen Zwangsversteigerungstermin anberaumen, sagte Direktor Dieter Philipp Klass.

Bei 303.000 Euro hatte Rolf-Robert Gorzejewski Mitte November 2015 den Zuschlag für das Gelände erhalten. Den letzten Mitbieter hatte er noch einmal um 1000 Euro überflügelt. Auch wollte er ein Haus in Eschede kaufen und von hieraus die geplante Zucht der Wildpferde auf dem Bunkergelände steuern. Dieser Plan wurde ebenfalls nicht verwirklicht. Wie er zu dem Geld gekommen war, mit dem er seine Pläne verwirklichen wollte, darüber schwieg er sich damals aus.

Kommt es zu einem erneuten Versteigerungstermin, hat sich im Grund gegenüber November 2015 nicht viel geändert: Auch dem neuen Besitzer wird aufgegeben, sich um die Beseitigung von Kampfmitteln zu kümmern, die im Boden liegen. Ende des Zweiten Weltkriegs war die Luftmunititionshauptsanstalt, die hier in den 1930er Jahren entstanden war, gesprengt worden. Munition wurde dabei über weite Flächen verstreut. Deshalb sind im Boden noch heute Geschosse sowie sprengstofftypische chemische Verbindungen nachzuweisen.

Bei einer Begehung des Geländes Anfang 2016 hatte die Deutsche Kampfmittelbergung Wietfeld aus Lüneburg tatsächlich alte Granaten gefunden und vom Kampfmittelbeseitigungsdienst abholen lassen. Geschäftsführer Thomas Wietfeld schätzt die Kosten für eine Reinigung des früheren Depotgeländes auf 30.000 bis 40.000 Euro. Dann würden aber nur die Laufflächen von Geschossen und chemischen Rückständen befreit werden. Sollte das gesamte Gelände komplett entmunitioniert werden, kämen auf den Besitzer Kosten von mehreren 100.000 Euro zu, schätzt Wietfeld.

Doch unbedingt notwendig ist die totale Reinigung nicht. „Eine Kampfmittelräumung ist immer nutzungsabhängig“, sagt Dezernatsleiter Thomas Bleicher vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen. Solle auf einer Verdachtsfläche ein Kinderspielplatz entstehen, müsse man mehr machen als wenn dort nur Bäume wachsen oder Heidschnucken herumlaufen. Auf dem Gelände bei Aschenberg wachsen auf gut fünf Hektar Wald und Sträucher, rund 10.000 Quadratmeter umfassen die Wegeflächen und Fahrstreifen, auf die Bunkeranlage entfallen rund 16.500 Quadratmeter.

Einladend weit offen steht zurzeit das Tor zu dem Bunkergelände. Allerdings verbietet ein Schild Unbefugten den Zutritt. Und beim Bunker, einen Steinwurf von Tor entfernt, ist gerade „Tag der offenen Tür“.

Dass das Gelände bei einem neuen Versteigerungstermin für „einen Appel und ein Ei“ an einen neuen Besitzer übergeht, ist nicht zu erwarten. Gläubiger wollen ihre Forderungen bedient sehen, die schon die Vorbesitzer offen gelassen hatten. Die ehemalige Bunkeranlage ist bereits durch mehrere Hände gegangen. Auch die Gemeinde Eschede wäre an einem Menschen mit Geld interessiert. In den vergangenen Jahren sind auch keine Grundsteuern für das Gelände gezahlt worden.

Von Joachim Gries