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Eschede "Wildunfälle immer der Polizei melden"
Celler Land Eschede "Wildunfälle immer der Polizei melden"
17:43 07.11.2014
Quelle: Rolf-Dieter Diehl (Archiv)
Kragen

Heinz Schümer vom Hegering Flotwedel ist schon viele Jahre Jäger. Doch was er neulich als Gast bei einer Jagd im Escheder Raum erlebt hat, lässt ihn jetzt einen Appell an alle Autofahrer richten: Meldet Wildunfälle bei der Polizei.

Der 72-Jährige saß kürzlich an einem Nachmittag bei Kragen auf dem Hochsitz, als ein Tier in sein Blickfeld kam. Auf die Entfernung konnte er es nicht genau erkennen, merkte aber, dass irgendetwas nicht stimmte. Das Tier legte sich nieder und entzog sich so seinen Blicken. Als es sich später erhob und in den Wald zurückzog, erkannte Schümer ein verletztes Stück Rehwild.

Später nahm Schümer mit seinem Hund, einer Alpenländischen Dachsbracke, am Waldrand die Spur auf. Bald hatte sein Vierbeiner die Stelle entdeckt, wo sich das verletzte Reh erneut niedergelegt hatte. Das schwer verletzte Tier nahm wieder die Flucht auf. Schümer machte seinen Hund los, der das Reh dann nach 400 bis 500 Metern stellte und niederhielt. Hier erlöste es der Jäger mit „blanker Waffe“ von seinen Qualen.

Das Tier hatte beide Vorderläufe gebrochen, die Röhrenknochen schauten aus der Haut. Auch ein Hinterlauf war verletzt. Das Tier war abgemagert, nach Schümers Einschätzung wäre es in ein paar Tagen verhungert. Er vermutet, dass es sich fünf bis acht Tage durch die Gegend gequält hatte. „Mir hat das Herz geblutet, als ich es sah“, sagt der Jäger.

Schümer geht davon aus, dass das Tier durch einen Personenwagen verletzt wurde. Der Autofahrer hätte es merken müssen. Bei einem Unfall mit einem Lastwagen wäre das Reh sicherlich getötet worden. Der Jäger appelliert an die Autofahrer, jeden Wildunfall über den Notruf 110 bei der Polizei zu melden. Die informiere dann den Jagdpächter. „Wir wissen ja gar nicht, welcher Jäger zuständig ist“, dieser Einwand kann nach Schümers Auffassung nicht gelten. Denn die Polizei kenne die zuständigen Ansprechpartner, die dann eine Nachsuche nach dem Wild starten könnten.

„Wir Jäger tun viel für die Wildunfall-Vermeidung“, sagt der Hohnebosteler und verweist auf die blauen Reflektoren an den Leitpfählen entlang der Straßen. Die werden in vielen Bereichen des Landkreises mit Unterstützung der örtlichen Jägerschaft angebaut.

Die Zahl der Wildunfälle im Landkreis haben nach Angaben von Karl-Heinz Kroll von der Polizei Celle in den ersten drei Quartalen des Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 95 auf 565 abgenommen. Ob das auf die blauen Reflektoren zurückzuführen ist, soll nach Aussage des Verkehrsexperten Anfang 2015 genauer untersucht werden.

Von Joachim Gries