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Faßberg Adler, Uhus, Sensationen: Wildpark Müden im Aufwind (mit Bildergalerie)
Celler Land Faßberg Adler, Uhus, Sensationen: Wildpark Müden im Aufwind (mit Bildergalerie)
18:39 29.03.2018
Von Christian Link
Tierpflegerin Corinna Widow präsentiert Wüstenbussard Ron dem Publikum. Quelle: Christian Link
Müden (Örtze)

MÜDEN. Mit ihrem Adlerblick hat Nora den Fleischbrocken auf dem Falknerhandschuh von Kimberly Wöhrmann fest im Visier. Doch der Greifvogel steuert dann doch lieber das benachbarte Gebüsch im Wildpark Müden an. Der Ausflug des jungen Adlers endet allerdings abrupt – mit einem kontrollierten Absturz. Denn solange Nora noch ein Flugschau-Azubi ist, darf sie sich nur an einer Schnur in die Lüfte erheben. Ausbüxen ist damit ausgeschlossen.

Zu Ostern startet der Wildpark Müden so richtig in die neue Saison. Die Besucher können sich auf viele neue Tierbabys und Attraktionen freuen.

"Nora braucht noch ein bisschen, um aus der Winterpause herauszukommen", erläutert Wildpark-Chef Thomas Wamser das Sondertraining für den Adler. Der 36-Jährige kennt die gefiederten Teilnehmer seiner Flugschau ganz genau und weiß, in welcher Form sie sich gerade befinden. Während es andere Kinder auf den Sportplatz zog, half er schon mit zehn Jahren in einer Greifvogelstation in der Eifel aus. "Fußball spielen fand ich doof", sagt er. Stattdessen richtete er lieber Seeadler ab. Nach Abitur und Wehrdienst machte er den Falknerjagdschein und später eine Ausbildung zum Zootierpfleger. 2006 gründete er seine eigene Eventfalknerei, seit 2012 ist er Pächter des Wildparks Müden.

Bis Nora zum Flugshow-Star wird, kann es noch etwas dauern. Deswegen gehört die Arena heute Uhu Esmeralda, Schopfkarakara Sancho und Wüstenbussard Ron. Das Publikum ist angesichts des verregneten Wetters nicht besonders zahlreich, von den tieffliegenden Flattermännern aber äußerst begeistert. Vor allem die jüngeren Zuschauer kommen aus dem Staunen kaum noch heraus. Am glücklichsten strahlt der neunjährige Oskar aus Oldenburg, weil er als Partner von Bussard Ron aushelfen durfte. "Das war witzig, er war ziemlich leicht", sagt er anschließend.

"In jeder Flugschau besteht das Risiko, dass ein Vogel wegfliegt", weiß Wamser und erläutert: "Deswegen ist es wichtig, dass man eine partnerschaftliche Basis mit dem Tier bekommt." Nur durch eine enge persönliche Bindung könne man die freifliegenden Vögel zur Rückkehr bewegen, Futter allein reiche als Überzeugungsmittel nicht aus. Wamser: "Man muss laufend am Ball bleiben, die Tiere beobachten und immer 100 Prozent geben. Wenn man sich nicht sicher ist, was man tut, überträgt sich diese Unsicherheit auch auf den Vogel."

Der Wildpark Müden gehört zwar zu den schönsten Ausflugszielen im Landkreis Celle, ein Selbstläufer ist er jedoch nicht. "Der Park alleine kann sich so nicht tragen", sagt Wamser. Ohne die Eventfalknerei als weiteres Standbein, die in Film und Fernsehen sowie anderen Tierparks präsent ist, würde Wamser rote Zahlen schreiben. "Bei einem Wetter wie heute haben wir 35 Besucher. Wenn die Sonne scheint, sind es 350", so der Parkgeschäftsführer.

Bei seinem Antritt als Pächter habe sich die Freizeitstätte in keinem guten Zustand befunden. "Erstmal mussten wir den Fall bremsen, der Park war ganz schön heruntergewirtschaftet. Und jetzt bauen wir das peu à peu wieder auf", sagt Wamser. Große Sprünge sind angesichts vieler Instandhaltungsmaßnahmen aber nicht möglich, derzeit befindet sich ein neues Hasengehege im Bau. "Wir arbeiten auch daran, noch mehr Tiere in die Flugshow zu integrieren", sagt der 36-Jährige.

Zudem muss der Wildpark neu eingezäunt werden, damit nicht plötzlich der Wolf bei den Rehen oder Waschbären vorbeischaut. "Bei unserem Nachbarn war er schon und hat dort ein paar Schafe gerissen. Der Wolf steht vor der Haustür", sagt Wamser. Dass es für die wolfsichere Umzäunung sogar Fördermittel gibt, kommt zwar nicht ungelegen. Schließlich hatte die Flucht einiger Damtiere nach einem Sturm im vergangenen Jahr gezeigt, dass die Gehege nur bedingt ein- oder ausbruchsicher sind. Trotzdem ist der Raubtierschutz ein teurer Spaß. Wamser: "Leider wird bisher nur das Material gefördert und nicht die Löhne." Die für den Zaunbau nötigen Arbeitsstunden seien immer noch ein großer Kostenfaktor.