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Faßberg Bagger „knabbern“ am Gerhus
Celler Land Faßberg Bagger „knabbern“ am Gerhus
22:56 11.02.2010
Unter den frohen Blicken der Anweseden tat der Bagger sein zerstörerisches Werk Quelle: Udo Genth
Gerdehaus

„Es berührt mich schon“, fasste Anna K. Jander ihre Empfindungen zusammen, als das Haus Stück für Stück abgebrochen wurde. Sie hatte im Sommer die Mahnwache organisiert, die gegenüber dem ehemaligen Hotel Gerhus mehrere Tage lang Stellung bezogen hatte. Damit war es gelungen, eine Übernahme des maroden Bauwerks durch Rechtsradikale zu verhindern. Im Rahmen der Zwangsversteigerung hatte schließlich Brigitte Friedrich die Immobilie erworben. Sie lud nun zu einer „Abriss- und Informationsparty“ ein, die sich zu einem kleinen Volksfest entwickelte. Schon am Eingang zum Grundstück machten Luftschlangen klar, dass es sich um eine heitere Veranstaltung handelt.

In einer kurzen Ansprache stellte Brigitte Friedrich das Konzept vor, mit dem sie das „Haus Gerhus“ als eine Einrichtung für seelisch behinderte Menschen neu beleben will. Darin haben Betreuer wie Angehörige eine bedeutende Rolle. Fallweise soll die Öffentlichkeit mit einbezogen werden. „Ich hoffe, dass Sie auch zu unseren Veranstaltungen kommen werden“, schloss die neue Besitzerin ihre Erläuterungen. Vorher hatte Faßbergs Bürgermeister Hans-Werner Schlitte allen gedankt, die sich im Sommer gegen Rechts engagiert hatten. „Unser Kampf hat sich nun verlagert“, meinte dazu Pastor Wilfried Manneke, „wir stellen uns jetzt in Eschede gegen die dortigen Neonazis“. Der Unterlüßer Pfarrer hatte sich besonders entschieden gegen eine Übernahme des Hotel Gerhus durch den inzwischen verstorbenen rechten Rechtsanwalt Jürgen Rieger gewandt.

Auf dem weitläufigen Platz vor dem Haus Gerhus herrschte gelöste, freudige Stimmung. Sicher hatten daran die Grillwürste und der Glühwein einen großen Anteil, die es kostenlos gab. Mehr noch einte wohl alle Anwesenden die Freude, das drohende Fiasko der Umwandlung des ehemaligen Hotels in eine rechte Schulungsstätte abgewendet zu haben.

Von Udo Genth