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Faßberg Befürworter der Faßberger Nazi-Glocke stellen Aktivitäten ein
Celler Land Faßberg Befürworter der Faßberger Nazi-Glocke stellen Aktivitäten ein
17:33 19.06.2018
Von Carsten Richter
Die Befürworter der Hakenkreuz-Glocke in der Faßberger Michaelkirche geben klein bei.
Faßberg

Zuvor hatte er mehr als 1600 Unterschriften von Faßberger Bürgern gesammelt. Diese Unterschriftenliste habe aber keine rechtliche Grundlage gehabt. „Sie diente nur der Erkenntnis, wie die Gemeindemitglieder zum Austausch der Glocke stehen“, sagt Stenmans. „Wir sind jedoch mit unseren Bemühungen gegen die Wand gelaufen.“

Bei der Bürgerversammlung am 8. Juni hatte Stenmans noch den Beschluss des Kirchenvorstands, die Glocke austauschen zu wollen, kritisiert und die Einberufung einer Gemeindeversammlung gefordert. Nun aber akzeptiert Stenmans die Entscheidung des Gremiums. Der Kirchenvorstand hatte im Februar den Austausch der Glocke durchgesetzt. Diese soll eine Inschrift tragen, für die Vorschläge aus der Gemeinde erbeten werden. Außerdem werden sich Arbeitsgruppen unter der Leitung von zwei Moderatoren der Landeskirche mit dem historischen Erbe Faßbergs befassen und über den weiteren Umgang mit der Nazi-Glocke diskutieren.

„Ich hoffe, dass sich viele Menschen daran beteiligen und dass ansonsten endlich Ruhe einkehrt“, sagt Beate Broihan, Kirchenvorstandsvorsitzende der St.-Laurentiusgemeinde Faßberg-Müden. Dass die Fürsprecher nun nachgegeben hätten, sei für einen sachlichen Umgang mit der Glocke hilfreich. „Wichtig ist uns, dass weiter diskutiert wird“, so Broihan.

Das sieht auch Frank Bröhl so. Der Bürgermeister der Gemeinde Faßberg wollte einen „Prozess anstoßen“, wie er sagt. „Meine Intention war es, dass sich die Bürger mit dem historischen Kontext Faßbergs auseinandersetzen.“ Die Bürgerversammlung sei ein Schritt in diese Richtung gewesen. Die nun erfolgte Reaktion der siebenköpfigen Gruppe um Stenmans will Bröhl auf CZ-Anfrage indes nicht kommentieren.

Stenmans selbst spricht von „Resignation“ seiner Mitstreiter. „Es hat keinen Zweck mehr, der Kirchenvorstand hat demokratisch entschieden“, sagt er. Die Unterschriftensammlung sollte nicht mehr als ein Stimmungsbild darstellen. Um auf Grundlage dieser Liste eine Gemeindeversammlung der Kirchenmitglieder einzuberufen, hätten nur Mitglieder der Kirchengemeinde unterschreiben dürfen. „Eine Gemeindeversammlung könnte zwar bei einer Abstimmung ein positives Ergebnis für die Glocke ergeben, der Kirchenvorstand aber ist nicht an den hierdurch erzielten Beschluss gebunden“, erklärt Stenmans und beruft sich dabei auf ein Gespräch mit der juristischen Abteilung der Landeskirche Hannover. „Wir stellen deshalb unsere Aktivitäten ein und danken allen, die uns in unserem Bestreben so tatkräftig unterstützt haben.“ Außerdem erhofft auch er sich von diesem Schritt, dass nun in Faßberg endlich wieder ruhigere Zeiten einkehren.

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