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Faßberg Bürgermeisterwahl in Faßberg: Frank Bröhl gewinnt Probeabstimmung nach CZ-Podiumsdiskussion
Celler Land Faßberg Bürgermeisterwahl in Faßberg: Frank Bröhl gewinnt Probeabstimmung nach CZ-Podiumsdiskussion
18:08 20.09.2013
Von Christoph Zimmer
Quelle: Alex Sorokin
Faßberg

Die Stühle reichten bei weitem nicht aus. Etwa 350 Faßberger wollten sich ein Bild von den Bürgermeisterkandidaten machen, die sich am Donnerstagabend bei der Podiumsdiskussion der Celleschen Zeitung im Haus Schlichternheide den Fragen von Chefredakteur Ralf Leineweber und Redakteur Tore Harmening stellten – und denen der Bürger.

Frank Bröhl (parteilos) und Kay Peters (SPD) bezogen Stellung zu Themen wie Wirtschaft, Tourismus, Finanzen und Fusion sowie Kinderbetreuung und Seniorenfreundlichkeit in der Nordkreis-Gemeinde. Nach der bemerkenswert sachlich geführten Diskussion vor der Bürgermeisterwahl am Sonntag lag Bröhl im Stimmungstest klar vorn.

Der parteilose Kandidat hinterließ den insgesamt aufgeräumteren, souveräneren und überzeugenderen Eindruck. Das spiegelte sich auch in der Probeabstimmung wieder, die nach der kurzweiligen zweistündigen Podiumsdiskussion durchgeführt wurde. Von den abgegebenen Stimmen entfielen 62 Prozent auf Bröhl, 38 auf Peters. Allerdings war dieser Stimmungstest unter den anwesenden Besuchern nicht repräsentativ.

Nach den ersten Einlassungen der beiden Kandidaten, die sich jeweils erfreulich knapp äußerten, forderte die Faßberger Ortsvorsteherin die Kandidaten auf, am Podium aufzustehen. „Wir können dich gar nicht hören und sehen“, sagte Angelika Cremer (SPD) in Peters’ Richtung. Anschließend antworteten die Kandidaten im Stehen.

Ein rhetorisches Eigentor unterlief Peters bei der Diskussion um die Finanzen der Gemeinde. „Seit 20 Jahren sind wir defizitär, seit 20 Jahren bin ich dabei“, sagte der Kandidat und erntete Gelächter für seine unglückliche Formulierung. Er ist erst seit 19 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv.

Eine Fusion mit Unterlüß und Hermannsburg schlossen die beiden Kandidaten kategorisch aus. „Die wird es nicht geben. Ich sehe keine Gefahr für den Standort Faßberg“, betonte Bröhl. „Wenn der Haushalt konsolidiert ist, wird keiner mehr von einer Fusion reden“, sagte Peters.

„Wie wollen Sie es schaffen, dass Faßberg für junge Familien attraktiver wird?“, wollte Zuschauerin Meike Bogmaier wissen. „Dazu müssen wir die Oberschule so lange wie möglich behalten“, sagte Bröhl. Dass das Schulangebot erweitert wird, glaubt Peters nicht: „Es wird nicht mehr Plätze geben.“ An den Grundschulen in Faßberg und Müden solle festgehalten werden. Bei der Kinderbetreuung sehen die Kandidaten die Gemeinde gut aufgestellt. „Wir liegen über dem Schnitt“, betonte Peters. „Das aktuelle Angebot ist nicht zu knapp bemessen“, meinte Bröhl. Beide Kandidaten betonten aber, dass man den Bedarf im Blick behalten müsse.

Infrastruktur und Wohnungssituation sollen verbessert und für Angehörige der Bundeswehr und deren Familien attraktiver gestaltet werden. „Wohnungen ohne Terrassen und Balkone werden wir nicht vermieten können“, sagte Peters mit Blick auf die Schwangenscheidt-Siedlung im Ortskern. „Aber was ist mit dem bestehenden Ensembleschutz?“, fragte Zuschauer Volker Götz. „Da muss es Ausnahmen geben“, entgegnete Peters. Einige nähmen das Recht bereits in die eigene Hand.

Um für Touristen attraktiver zu werden, muss verstärkt Marketing betrieben werden. „Es reicht nicht, wenn am Bodensee Flyer vom Oberen Örtzetal liegen“, sagte Bröhl, „wir müssen in der Region stärker werben.“ Nach den Investitionen bei den Campingplätzen und im Waldschwimmbad sowie dem Erhalt des Wildtierparks „müssen wir in Zukunft noch weiter investieren, wenn wir es hier hübsch haben wollen“, so Peters.

Ein anderes Thema, das die Faßberger bewegte, war die Ansiedlung weiterer Fachärzte. „Wir brauchen auf jeden Fall neue Ärzte“, sagte Bröhl, der auf Gemeinschaftspraxen und einen besseren öffentlichen Personennahverkehr für eine bessere Erreichbarkeit setzt. Peters machte sich keine Illusionen: „Wir werden es wohl nicht schaffen, neue Ärzte nach Faßberg zu locken, so sehr wir uns das auch wünschen.“

Anja Wienecke aus Poitzen lag die hohe Geschwindigkeit der Autofahrer auf der Straße von Poitzen nach Müden am Herzen. „Wir haben immer ein schlechtes Gewissen, wenn wir unsere Kinder zur Schule lassen.“ Nach der Bürgermeisterwahl am Sonntag wird sich einer der Kandidaten diesem Thema annehmen müssen.