Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Faßberg Faßberger Camper trotzt den Minusgraden
Celler Land Faßberg Faßberger Camper trotzt den Minusgraden
19:09 08.01.2017
Norbert „Nobby“ Grätz ist auf vier Rädern zu Hause. Sein Wohnwagen steht auf dem Campingplatz in Faßberg. Seinen Wohnraum hat er durch das Vorzelt erweitert. Hier hält er sich die meiste Zeit des Tages auf.Die Gasheizung ist besonders wichtig in der Wintersaison.  Quelle: Katharina Baumgartner (2)
Faßberg

Das Thermometer zeigt mittlerweile minus sechs Grad an. Es herrscht strahlender Sonnenschein zur Mittagszeit. „Als ich heute Morgen aufgestanden bin, waren es noch minus 11 Grad Celsius“, sagt der Dauercamper. Zu spüren ist davon in seinem Wohnzimmer nichts, hier herrschen wohlige 21 Grad. Sein Wohnzimmer, das zugleich auch die Küche ist, befindet sich in seinem Vorzelt. An der Holzvertäfelung hängen die Bilder seiner Familie, durch die weißen Gardinen dringt die Mittagssonne - es entsteht nicht das Gefühl, in einem Zelt zu sitzen. Von der gemütlichen Eckcouch kann der Rentner direkt aus dem Fenster auf den zugefrorenen Heidesee blicken. „Ick wohne, wo andere Urlaub machen“, schwärmt der gebürtige Berliner. Es ist jetzt sein vierter Winter, den der Ganzjahrescamper hier verbringt. Den Platz besuche er aber schon seit 1981, damals noch im 14-Tage-Rhythmus. Die gesamte Familie des 67-Jährigen habe die Wochenenden auf dem Platz verbracht. „Meine Eltern, meine Schwester mit ihrer Familie und ich“, erklärt der Berliner. Und dann habe er sich nicht nur in den Platz verliebt, sondern auch auf dem Campingplatz. Zunehmend reifte in ihm der Gedanke, nach seiner Berufszeit dauerhaft auf vier Rädern zu wohnen.

5,7 Meter lang und 2,45 Meter breit ist der „Hobby Prestige“ des Rentners. Gästebereich, Büro, Schlafzimmer und Bad - alles auf rund 14 Quadratmetern. Den Lebensmittelpunkt bildet sein 28 Quadratmeter großes Vorzelt: Couch, Vitrine, Kommode, Fernsehwand und eine voll funktionsfähige Küche. Als „Balsam für die Seele“ beschreibt Grätz die Wintersaison auf dem Platz. „Man muss schon ein Eigenbrötler sein.“ Doch traurig ist der Rentner über den Winterschlaf auf dem Platz nicht, er sei froh, wenn der Saisontrubel vorbei ist. Probleme seien während des Winters noch nie aufgetreten. Lediglich der Schneeeinbruch im November habe ihm etwas Sorgen bereitet. „Den nassen Schnee habe ich vom Wohnwagendach geschaufelt“, erläutert er, „sonst kommt zu viel Gewicht auf die tragenden Achsen.“

Vor das Vorzelt hat Grätz noch einen kleinen Eingangsbereich gebaut. „Damit nicht die ganze Feuchtigkeit reinkommt“, erklärt der Camper. Ein Erfahrungswert, den er aus seiner ersten Wintersaison gewonnen hat. Schon in seinem Flur rümpft er die Nase. „Die Heizung ist ausgegangen“, gibt der er lachend an, „das riecht man sofort.“ Aus dem Flur hievt er eine rote Gasflasche, montiert die alte ab und schließt die neue an die Heizung an. Einmal zünden, ein leises Rauschen, und die blaue Flamme leuchtet wieder auf. Bis jetzt habe er 15 Flaschen verbraucht. Grätz führt akribisch eine Liste über seinen Verbrauch. „Die Übersicht ist wichtig“, erklärt er. Fünf bis sechs der elf Kilogramm schweren Gasflaschen bevorrate er. Im Schuppen habe er zudem noch eine Ersatzheizung, falls seine ausfiele. Das Wasser für Bad und Küche muss er in der Winterzeit nie ablassen. „Da ich ja immer hier bin und heize, friert mir nichts ein“, erläutert der Berliner. Doch auf dem Campingplatz sind die Wasser-Zapfstellen auf dem Platz abgestellt, damit die Außenleitungen nicht einfrieren. Grätz muss daher seine 15-Liter-Wasserkanister an dem einzig im Winter geöffneten Waschhaus an der Rezeption auffüllen. Und dies sind schon etliche Meter, die der 67-Jährige dafür zurücklegen muss. „Da spart man mit dem Wasser, wenn man alles schleppen muss“, witzelt der Berliner.