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Faßberg Hakenkreuz-Glocke in Faßberg steht vor dem Aus
Celler Land Faßberg Hakenkreuz-Glocke in Faßberg steht vor dem Aus
10:45 19.09.2017
Von Christopher Menge
Unerwünschte "Verzierung": Auf der Faßberger Glocke ist der Luftwaffenadler mit Hakenkreuz zu sehen. Quelle: Kirchenkreis Soltau/CZ (Archiv)
Faßberg

Eine "Hitler-Glocke" mit einer Aufschrift aus der Nazi-Zeit sorgt seit Wochen in Herxheim am Berg in der Pfalz für Wirbel. Auch in der Michaelkirche in Faßberg existiert eine Glocke mit einem Hakenkreuz. Die Landeskirche Hannover fordert jetzt die Stilllegung. Da der Glockenstuhl in Faßberg derzeit ohnehin renoviert wird, wird die Glocke, die den Luftwaffenadler mit dem Hakenkreuz zeigt, wohl nie wieder läuten. "Ich gehe davon aus, dass sie nicht mehr in Betrieb genommen wird", sagte der zuständige Superintendent des Kirchenkreises Soltau, Heiko Schütte.

Bisher war die St.-Laurentius-Kirchengemeinde Faßberg-Müden offen mit den Nazi-Symbolen umgegangen. "Das Erbe der Zeit, in der diese Kirche entstanden ist, ist nicht auf Symbole zu begrenzen", sagt Pastor Rudolf Blümcke. "Von wenigen wird die Michaelkirche als schön bezeichnet. Für die alten Faßberger ist es aber ihre Kirche." Die Gemeinde habe sich im Laufe der Jahre entschieden, mit diesem Erbe offen umzugehen.

In einer Broschüre, die zum 70. Kirchweihjubiläum im Jahr 2008 erschienen ist, ist die Glocke mit dem zwei mal zwei Zentimeter großen Hakenkreuz abgebildet und erklärt. "Schulklassen des Christian-Gymnasiums aus Hermannsburg haben vor kurzem zum Thema Kirche im Nationalsozialismus gearbeitet und die Faßberger Kirche untersucht", erzählt Blümcke. "Ich habe ihnen eine kleine Führung durch die Kirche gegeben und wir haben ausführlich über ihre Geschichte gesprochen. Zu gerne wären die Schüler auch auf das Dach geklettert, aber zu der Glocke führen nur mehrere lange Leitern, was etwas abenteuerlich ist und nicht sehr sicher." Aber als Zeuge der Zeit und Hinweis auf ein Geschehen in unserem Land, das es zu verhindern gilt, habe die Glocke an dem Tag auf jeden Fall gedient.

Die Befragung aller 1262 Gemeinden in der Landeskirche Hannover hat außerdem ergeben, dass im Turm der Kreuzkirche in Schweringen bei Nienburg eine "Nazi-Glocke" hängt. Die 1934 gegossene Glocke in Schweringen trägt ein 35 mal 35 Zentimeter großes Hakenkreuz mit einer nationalistischen Inschrift. Die dortige Kapellengemeinde hat inzwischen als Eigentümerin der Kirche beschlossen, die Glocke erst einmal stillzulegen, ihre Geschichte aufzuarbeiten und dann eine endgültige Lösung zu beraten. Der Kirchenvorstand distanzierte sich in einer Erklärung von den Symbolen auf der Glocke: "Wir werden uns fragen, wie es damals dazu kommen konnte, dass eine protestantische Gemeinde ein nationalsozialistisches Symbol in ihrer Kirche aufgehängt hat."

Auch die umstrittene „Hitler-Glocke“ in Herxheim mit der Aufschrift „Alles fuer's Vaterland – Adolf Hitler“ soll künftig vorerst nicht mehr läuten. Der Zentralrat der Juden in Deutschland forderte, die Glocke abzuhängen und ins Museum zu stellen.

"Die Gemeinden in Faßberg und Schweringen sind sich der Problematik der Glocken bewusst", sagte Arend de Vries, Geistlicher Vizepräsident des Landeskirchenamtes in Hannover. "Da diese Glocken zu Gottesdiensten, Andachten und zum Gebet einladen, sind sie nicht nur historische Relikte, sondern Teil des aktuellen liturgischen Handelns." Daher empfiehlt die Landeskirche die Stilllegung.