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Faßberg Hier hätte Viggo schwimmen gelernt
Celler Land Faßberg Hier hätte Viggo schwimmen gelernt
15:16 24.07.2018
Von Christian Link
Quelle: Christian Link
Schmarbeck

Das berühmte Berger Känguru Viggo hat es leider nie nach Schmarbeck-Grube geschafft. Der von seiner Menschenfamilie angestrebte Mietvertrag für ein Wohnhaus in dem kleinen Dorf in der Südheide scheiterte, weshalb das Beuteltier mittlerweile in der Wildtierstation Sachsenhagen wohnt. Exotische Tiere gibt es im Schmarbecker Ortsteil aber dennoch.

Von den eindrucksvollen Tamaskan-Wolfshunden ist von der Straße aus nichts zu sehen oder zu hören. Ihr Herrchen Heinz-Peter Hatrath ist nämlich gerade dabei, einen alten Kohlenschuppen abzureißen. "Wir wollen ein bisschen Luft auf dem Grundstück haben", erklärt er, "Kohle brauchen wir nicht, wir haben eine Gasheizung." Der ehemalige Vollzugsbeamte aus Brandenburg hat hier im Mai 2017 eine neue Heimat gefunden – für sich, seine Frau und mittlerweile vier finnische Wolfshunde.

"Wer die Rasse einmal liebgewonnen hat, kommt von ihr nicht mehr los", sagt Hatrath über seine stattlichen Tamaskane, die eine Rückzüchtung einer ausgestorbenen Rasse sind. "Die haben auch das Wolfsgen drin – allerdings in einer abgeschwächten Form", so der 61-Jährige. Für die echten Wölfe, die rund um Schmarbeck immer wieder gesichtet werden, sind seine Tiere aber offenbar uninteressant. Bisher habe sich noch keiner hierhergewagt. "Die Wölfe sind viel zu scheu – und das soll auch so blieben", sagt Hatrath, der die "Hysterie" rund um das Thema Wolf für übertrieben hält.

Ein paar Hausnummern weiter hängt Carsten Bubke gerade einen Pferde-Anhänger an seinen VW-Amarok. "Wir müssen heute Nachmittag noch zum VGH-Cup nach Schneverdingen", sagt der Vater und Chauffeur der aktuell besten Nachwuchs-Springreiterin in der Lüneburger Heide. Die 16-jährige Lene Bubke stand bei den Bezirksmeisterschaften kürzlich ganz oben auf dem Treppchen. "Ich habe mit vier angefangen zu voltigieren und ab fünf Reitunterricht gehabt", erzählt sie. Das Leben in Schmarbeck-Grube gefällt ihr ganz gut – wenn da nicht der katastrophale Internetanschluss wäre. Lene: "Netflix und Youtube gehen hier gar nicht."

Dafür hat Schmarbeck-Grube eine besondere Attraktion: Der alte Kiesteich, dem der Ortsteil seinen Namen verdankt, ist mittlerweile ein Badeteich. "Jeder, der hier wohnt, darf da schwimmen oder angeln", sagt Bubke, der das Gewässer vor Jahren gekauft hat. Man muss ihn nur vorher um Erlaubnis bitten. Für den gebürtigen Hamburger ist das Dorf geradezu ein Paradies: "Ich kann mir keinen entspannteren Ort vorstellen." Auch die zwölf ständigen Bewohner sowie die Feriengäste hat er ins Herz geschlossen: "Wir sind hier alle Charakterköpfe – und das muss auch so sein."

"Schmarbeck-Grube hatte früher einen ganz schlechten Ruf", weiß Bubke, der auch Ortsvorsteher ist. Mittlerweile wohnen in der früheren Arbeitersiedlung aber eher gut situierte Menschen. Auch die Unterkunft für Suchtkranke ist verlassen. Das Gebäude neben dem Übungsgelände einer Hundetrainerin aus Faßberg steht leer.

Gegenüber der verlassenen Baracke wohnt Jutta Wagner, die sich nach einem Spaziergang mit ihrem Collie-Mischling Jojo eine Packung tiefgefrorene Grillwürstchen beim Ehepaar Hatrath leiht. "Heute Abend mache ich einen Auflauf. Statt Kochschinken mache ich da jetzt Krakauer rein", sagt sie.

Vor 27 Jahren zog Wagner notgedrungen von Wieckenberg nach Schmarbeck-Grube, weil sie dringend eine neue Bleibe suchte. Auf die Bank, die ihr das Haus verkaufte, ist sie immer noch sauer: "Die haben uns ganz viele Mängel verschwiegen und auch die Tatsache, dass es schon zweimal zwangsversteigert werden sollte." Der Renovierungsbedarf sei riesig gewesen und es gebe immer wieder etwas zu tun. Doch bereut hat sie den Umzug in den Norden nicht. "Es ist schön ruhig hier und man sieht viele Tiere."

Am besten aber sei die Gemeinschaft im Ort, die nicht bei der Tiefkühlwurst aufhört. "Am Dienstag war ich blind auf einem Auge, da hat mich meine Nachbarin zum Arzt gefahren", erzählt Wagner und fügt hinzu: "Meine Nachbarn sind schon toll."