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Faßberg Hightech für Raketen
Celler Land Faßberg Hightech für Raketen
14:31 09.12.2011
Oliver Ludwig, Leiter des Astriums in Trauen, bekommt von Ingolf Kohl (DLR) einen symbolischen Schl¸ssel f¸r die neuen Chemielabore ¸berreicht. Quelle: Isabell Prophet
Trauen

Giftig, krebserregend, brennbar; umgefüllt wird hinter Glas und unter einer Dunstabzugshaube. Die klare, farblose Flüssigkeit könnte eine Explosion auslösen, das will man hier lieber vermeiden. Deshalb wurden im Astrium in Trauen bei Faßberg neue Chemielabore eingerichtet. Hier wird von nun an Hydrazin analysiert, ein hocheffizienter Raketentreibstoff. Bald soll auch an „grünen“ Treibstoffen geforscht werden - umweltverträgliches Benzin für Weltraumraketen.

Nico Phepke leitet das neue Labor: „Zur Sicherheit arbeiten wir, wann immer es geht, in einem geschlossenen System“, berichtet er. An zwei Laborarbeitsplätzen auf 182 Quadratmetern werden Chemiker die Reinheit des Hydrazins bestimmen und damit die Qualität des Treibstoffs. „In Zukunft“, kündigte Standortleiter Oliver Ludwig an, „in Zukunft werden in dem neuen Labor auch umweltverträgliche und ungiftige Treibstoffe untersucht werden.“

Giftig und krebserregend soll der Raketentreibstoff dann nicht mehr in gleichem Maße wie heute sein, sagt Phepke, „brennbar natürlich schon.“ Unter Druck und Hitze verbrennt das Hydrazin, so wird in den Raketen der Schub erzeugt: „thermische Energie wird in Bewegungsenergie gewandelt“, wie es der Ingenieur Thorge von Ostrowski ausdrückt. Je mehr Druck und Hitze ein Treibstoff aushalten kann, bevor er verbrennt, desto leistungsfähiger ist er auch – desto schneller fliegt die Rakete. Der Fachmann spricht von Energiedichte. „Dabei sollte der Treibstoff auch ein niedriges Molekulargewicht haben“, sagt von Ostrowski. Denn das Eigengewicht des Treibstoffs macht die Rakete schwer – und wiederum langsam.

Diese Eigenschaften sollen in den neuen Laboren künftig verbessert werden. Früher einmal war das Gebäude das Casino. Umgebaut hat sie Ingolf Kohl vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR), entworfen wurde alles vom Architekten Markus Stein. Oliver Ludwig erinnert sich noch genau, wie er vor einem Jahr die Räume betrat: „Durch das Oberlicht wuchsen Farne hinein, an der Wand und hinter den Schränken wucherten Pflanzen herab. Chemielabore konnte ich mir hier drin nicht vorstellen.“ Bei der Eröffnung war zum vorerst letzten Mal ein Buffet aufgebaut, in Zukunft werden nur noch Raketentreibstoffe zubereitet.

Moderne Treibstoffe sollen leicht sein, weniger gefährlich für die Menschen, die mit ihnen umgehen – Stichwort krebserregend und giftig – und dabei eine möglichst hohe Leistung bringen. Die Chemiker machen sich gezielt auf die Suche nach Veränderungen, die diese Eigenschaften verbessern. „Soll ein Stoff leicht sein, denkt man zu allererst an Wasserstoff“, erläutert von Ostrowski: „Das ist das leichteste Element.“ Eine Lösung also: Wasserstoff an ein Molekül anhängen. Auch wenn es um „grünere“ Antriebe geht, eines darf sich natürlich nicht verschlechtern: „Die Leistung. Sie muss so sein, wie von herkömmlichen Treibstoffen auch.“

Von Isabell Prophet