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Faßberg Hubschrauber NH 90: Große Defizite
Celler Land Faßberg Hubschrauber NH 90: Große Defizite
16:21 25.02.2010
NH 90 bei vorstellung in Faßberg Quelle: Tore Harmening
Faßberg

2007 schien die Welt am Faßberger Fliegerhorst noch in Ordnung. Im Juli wurde der erste Hubschrauber vom Typ NH 90 an die Technische Schule der Luftwaffe 3 übergeben. Die Verantwortlichen hofften da wohl noch, dass jetzt das gesamte Projekt „Neues High-Tech-Fluggerät für Faßberg“ abhebt, sprich auch das Transporthubschrauber-Regiment 10 die Hubschrauber bekommt.

Doch während die Arbeiten an den Strukturen seitdem auf Hochtouren weiter liefen - Hallen gebaut und Truppenteile umstrukturiert wurden - kam die Auslieferung nicht voran. Mit dem Auftauchen einer Mängelliste wurde jetzt das nächste Kapitel in dem Buch „Warten auf den NH 90“ aufgeschlagen. Wie Medien berichteten, hat der Hubschrauber bei einem Test durch die Bundeswehr deutliche Mängel aufgewiesen. Unter anderem seien die Sitze für Soldaten ungeeignet und der Boden zu dünn, so dass er schon bei geringer Belastung Schäden aufwies. Außerdem kritisierten die Experten, dass der NH 90 über zu wenig Bodenfreiheit verfüge und nur auf befestigtem Untergrund landen könne, wenn es keine Hindernisse gebe, die höher als 16 Zentimeter seien.

Oberst Ulrich Kirch, Vorsitzender des Bundeswehrverbandes, ist sich nicht einmal mehr sicher, ob diese Mängel überhaupt behoben werden können. Die Marine überlegt deshalb nach seinen Worten schon, ob sie ein anderes Modell einsetzen soll. Angesichts der Probleme plädierte Kirsch für ein „Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sprach von einem „ganz normalen Prüfbericht, der bei jedem neuen technischen Gerät angefertigt wird.“ Bei dieser Version des NH 90 handele es sich um eine Vorversion, die so nicht zum Einsatz kommen werde. Die Mängel sollen in den kommenden Jahren abgestellt werden. Als neues Auslieferungsdatum nannte der Sprecher jetzt 2012. Damit würde das gesamte Projekt um rund vier Jahre zurückliegen. „Die Komplexität des Auftrages mit der Beteiligung von 14 Nationen und 23 verschiedenen Versionen des Hubschraubers ist von der Industrie unterschätzt worden“, so der Sprecher weiter.

Auch der Celler Bundestagsabgeordnete Henning Otte (CDU) hält die jetzt aufgetauchten Fakten ebenso wie seine Kollegin Kirsten Lühmann (SPD) für „lange bekannt“. Trotzdem sei die Verzögerung unbefriedigend. „Die Strukturen sind geschaffen, aber das Gerät fehlt noch“, sagt Otte. Lühmann sieht die Industrie, in diesem Fall den EADS-Konzern, in der Pflicht. „Sie haben zugesagt, dass sie die Mängel abstellen können, alles andere wäre Kaffeesatzleserei“, so Lühmann.

Sollte es wirklich eine Auslieferung 2012 geben, würde es trotzdem noch eine Weile, dauern, bis die Heideflieger sich an das neue Fluggerät gewöhnt haben und vollständig einsatzbereit sind. Denn auch der neue Flugsimulator, der gerade am Fliegerhorst eingeweiht wurde, ersetzt nicht vollständig das Training im Hubschrauber. Es bleibt nach den Verzögerungen auch die Frage, ob denn 2012 jetzt wirklich der richtige Termin ist. Im Juli 2009 sollte auch schon mal zum Appell angetreten werden, um die ersten zwei Hubschrauber offiziell in Empfang zu nehmen. Der Ausgang ist bekannt.

Von Tore Harmening