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Faßberg Kämpfer für die Seele - Müdener Militärpfarrer vom Auslandseinsatz zurückgekehrt
Celler Land Faßberg Kämpfer für die Seele - Müdener Militärpfarrer vom Auslandseinsatz zurückgekehrt
19:08 15.04.2016
Müden (Örtze)

MÜDEN. Den Familienvater, der seine Kinder vermisst, den Soldaten, der an seinen gefallenen Kameraden denkt, oder den Freund, der verzweifelt ist, weil seine Freundin gerade Schluss gemacht hat.

„Gerade im Einsatz ist die Seele der Menschen besonders beansprucht – die Trennung von zu Hause und der Familie sowie die Enge im Lager sind für jeden eine Belastung. Da tut es der Seele gut, sich auch nur für kurze Zeit mal auszuklinken, an einem besonderen Ort mal etwas ganz anderes zu erleben und an etwas anderes zu denken“, sagt Bundeswehr-Pfarrer Schmid. Der Müdener war in den zehn Jahren seines Dienstes schon zweimal in Afghanistan und einmal im Kosovo unterwegs. Dazu kommen Einsätze in Mali, im Senegal und Usbekistan. In dieser Woche ist er aus dem türkischen Incirlik nahe der syrischen Grenze zurückgekehrt. Zu Hause haben ihn seine Frau und seine fünf Kinder im Alter zwischen 8 und 18 Jahren herzlich empfangen. Und auch seine Schwiegereltern freuten sich über die Heimkehr. „Ich sage immer etwas scherzhaft, dass es kaum auffällt, dass ich weg bin, weil zu Hause ja immer so viel los ist“, sagt Schmid. Seine Kinder würden die Trennung mal intensiver und mal weniger spüren: „Das hängt sehr vom Alter ab.“

Im Einsatz bietet er sich nicht nur nach dem Gottesdienst oder während der Abendandachten als Gesprächspartner an. Es gehört zu seinem Tagesablauf, sich dort sehen zu lassen, wo die Arbeit getan wird und sich in die verschiedensten Aufgabenbereiche einweisen zu lassen. In den Dienstunterbrechungen schaut er sich in den Betreuungseinrichtungen mit den Soldaten Fußballspiele an oder schlendert auch mal durch die Unterkunftsbereiche. So ist er jederzeit ansprechbar und bekommt einen Eindruck über die tagesaktuellen Ereignisse. „Der Schritt, zum Pfarrer zu gehen, fällt natürlich leichter, wenn man ihn schon einmal gesehen hat, schon mal ein Wort mit ihm gewechselt oder schon von ihm gehört hat“, sagt Schmid.

Unter dem Schutz des Beichtgeheimnisses und der seelsorgerlichen Verschwiegenheit kann bei ihm alles zur Sprache kommen, was der Seele wehtut und sie belastet. „Das tut sehr gut, kann wieder Halt und Orientierung geben und weitere Handlungsmöglichkeiten eröffnen“, sagt der Seelsorger. Doch auch er, der sich alle Probleme anhört, gute Ratschläge gibt und Trost spendet, hat seine eigenen Sorgen und Nöte: „In der Türkei habe ich natürlich meine Familie und Freunde vermisst. Nach zwei Monaten in Incirlik sehnte ich mich nach heimatlichem Wald und gelegentlichen Regenzeiten. Das Umfeld und die Verpflegung auf der Air Base sind sehr amerikanisch geprägt. Einfache Dinge, wie deutsches Brot in allen Variationen, standen ganz weit oben auf meiner Wunschliste.“ Bei größeren Einsätzen, wie in Afghanistan, kann er seine Sorgen und Nöte beim katholischen Militärpfarrer lassen. Denn an großen Standorten gibt es jeweils einen Seelsorger für beide Glaubensrichtungen. In kleineren Lagern, wie in der Türkei, ist er allein mit seinen Problemen. Doch trotz dieser Umstände mag Schmid die Auslandseinsätze. „Wenn man sich als Militärseelsorger bewirbt, dann bekommt man deutlich gesagt, dass diese Einsätze dazugehören. Ich mag daran das intensive Zusammenleben und Arbeiten, das man jeden Tag dort erlebt“, so Schmid. Unter der Woche ist er aus der Türkei zurückgekehrt. Jetzt hat er wieder Zeit für seine Familie – ohne Jets, Panzer und Maschinengewehre.

Von Alexander Hänjes