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Faßberg Keine akute Gefahr auf Pferdehof bei Faßberg
Celler Land Faßberg Keine akute Gefahr auf Pferdehof bei Faßberg
17:44 29.12.2011
2 Ponies - offenbar wohlgen‰hrt - mit Grace (Mitte) Quelle: Udo Genth
Oberohe

Der Streit um angeblich misshandelte Pferde im Celler Nordkreis hat über Weihnachten eine neue Dimension erhalten. Nach Aussage der Halterin war mit dem Diebstahl der Tiere gedroht worden. Sie packte ihre Koffer und reiste am Sonnabend, Heiligabend, zu ihrem Hof nahe bei Faßberg. Am Mittwochmorgen schaute dann Amtstierarzt Dr. Heiko Wessel vorbei – und kurz nach ihm einige Tierschützer von Peta. Der Eigentümerin war von Nicol und Roger Hufnagel von der Pferdeschutzorganisation Vier Hufe vorgeworfen worden, ihre Tiere nicht angemessen zu halten. Gleichzeitig wurde Wessel Untätigkeit unterstellt, seine Unabhängigkeit in Frage gestellt.

„Wenn die Behörden nicht reagieren, sind auch wir ohnmächtig“, beklagte Roger Hufnagel am Mittwochmorgen. Wessel habe nachzuweisen, dass er Auflagen erteilt und auch deren Einhaltung kontrolliert. Hufnagel äußerte auch den Verdacht, dass der Landkreis die Halterin decke. Die Situation auf dem Hof sei dramatisch; den Pferden drohe, bei kaltem Wetter im Schlamm festzufrieren. Außerdem gebe es weder fließend Wasser noch Strom.

Kurze Zeit später kontaktierten ihn die Mitarbeiter von Peta, die den Hof am Morgen besucht hatten. Hufnagel ruderte zurück: „Es geht voran. Die Situation ist nicht dramatisch.“ Die Peta-Beobachter waren von der Halterin über den Hof geführt worden, hatten frisches Einstreu gesehen und die Reinigung der Boxen beobachtet. „Wir sind zufrieden“, sagte Hufnagel, „das war das Ziel der Aktion.“

„Es stand jederzeit Wasser aus einem Hofbrunnen und Strom mittels Stromaggregat im erforderlichen Umfang zur Verfügung“, teilte Kreisdezernent Gerald Höhl mit. Selbst bei starker Kälte seien in Faßberg keine Erfrierungen zu befürchten; ungewöhnliche Verletzungsgefahr bestehe nicht. Auch dem Vorwurf Hufnagels, ein Paddock sei mit Kot bedeckt, so dass Infektionsgefahr bestehe, widersprach Höhl.

Die Eigentümerin soll angeblich nicht genug Geld haben, den Hof angemessen zu bewirtschaften. So äußert sich eine frühere Pächterin. Ausgemistet worden sei vorher zuletzt vor einem Dreivierteljahr, und: „Sie ist total überfordert. Die Futtervorräte werden nur noch bis Mitte Januar reichen.“

Die Eigentümerin hat nun Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und übler Nachrede gegen einige der Tierschützer sowie gegen eine frühere Pächterin des Hofes gestellt: „Sie will den Hof zurück, deshalb redet sie schlecht über mich.“ Alle anderen seien deren Behauptungen aufgesessen, außerdem spiele der Scheidungskrieg eine Rolle. „Dieser Hof ist eine Lebensaufgabe“, sagt sie. Zweifel, ob sie dieser Lebensaufgabe gewachsen ist, wurden nun von verschiedenen Seiten geäußert. Der Landkreis setzt seine Kontrollen fort. Gegen die Vorpächterin ermittelt die Polizei wegen übler Nachrede und Hausfriedensbruch.

Von Isabell Prophet