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Faßberg Kirche in Müden wird runderneuert
Celler Land Faßberg Kirche in Müden wird runderneuert
16:33 06.08.2010
Unliebsame Überrschungen gab es bei manchen Balken, die äußerlich intakt erschienen, aber innen morsch waren, demonstriert Pastor Christian Berndt Quelle: Udo Genth
Faßberg

MÜDEN. Das Brautpaar schien etwas enttäuscht. Es hatte sich für seine Trauung eine der schönsten alten Kirchen im Landkreis ausgesucht, und nun war das Gotteshaus eine Baustelle. Das Foto vor der eingerüsteten Kirche gefiel den jungen Eheleuten nicht, sie tröstete kaum die handsignierte Schindel, die Pastor Christian Bernd überreichte.

Lose Schindeln gibt es derzeit genug rund um die Müdener St. Laurentius-Kirche. Sie fielen in den zurückliegenden Monaten gelegentlich vom Glockenturm. „Wir sind froh, dass es keinen Besucher traf“, sagte Pastor Berndt. Deswegen bekommt der Turm derzeit eine neue Haube aus Kupfer. Damit wird der Zustand wieder hergestellt, wie er bis 1840 vor- herrschte. Wenngleich die noch glänzende Turmspitze das sichtbarste Zeichen der gegenwärtigen Renovierung ist, so sind die Arbeiten doch wesentlich umfangreicher.

Angefangen hatte es vor gut drei Jahren, als Risse im Altarraum festgestellt wurden. Mithilfe des kirchlichen Amtes für Bau- und Kunstpflege in Celle sowie diverser Gutachten war bald klar, dass eine grundlegende Sanierung notwendig ist. Die Arbeiten wurden ausgeschrieben, aber der Baubeginn verzögerte sich. Einerseits war der Winter daran schuld, andererseits barg das Gebäude doch so einige unvorhergesehene Mängel. Pastor Berndt erzählt als Beispiel die Geschichte von einem tragenden Balken im Turm. Der schien äußerlich unversehrt, aber als ein Zimmermann mit seinem Werkzeug dagegen schlug, flog ihm eine Fledermaus entgegen.

Die Bauarbeiten sind augenblicklich schon fortgeschritten, denn die Schornsteinkonstruktion wurde – weil überflüssig – abgebaut, ein Blitzschutz angebracht, neue Dachpfannen gelegt und die Uhr komplett erneuert. Dennoch gibt es noch viel zu tun. Zahlreiche Maurerarbeiten sind nötig, um mit speziellen Ziegeln und Mörtel die Schäden auszubessern und Feuchtigkeit abzuwehren, die Elektrik muss den heutigen Sicherheitsbestimmungen ange-passt werden, Türen und Fens-ter sind zu streichen – Pastor Berndt zählt einen wahren Katalog von Maßnahmen auf, die notwendig sind. Um im Innenraum ungestört arbeiten zu können, wird die Müdener Kirche ab dem 16. August komplett geschlossen. Pastor Berndt hofft, zum ersten Advent wieder seine Müdener Kirche öffnen zu können. Allerdings sucht er nach seinen bisherigen Erfahrungen bereits einen alternativen Ort für das traditionelle Krippenspiel.

Die Baukosten beziffert Pastor Christian Berndt mit gut 410000 Euro, wobei Zuschüsse verschiedener Seiten die finanzielle Last der Kirchengemeinde auf rund 25000 Euro begrenzen.

Der letzte Gottesdienst vor der Schließung von St. Laurentius wird Pastor Berndt anlässlich des Müdener Marktes am 11. August abhalten. Seine Predigt stellt er aus gegebenem Anlass unter das Motto „Kirche als Baustelle“. Ob er dahinter ein Ausrufe- oder Fragezeichen setzen möchte, ließ Faßbergs Gemeindepastor offen.

Von Udo Genth