Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Faßberg Knöterich färbt Wolle blau
Celler Land Faßberg Knöterich färbt Wolle blau
16:00 27.02.2012
Mareike Goltz zeigt auf die von ihr pflanzlich gef‰rbte Schnuckenwolle Quelle: Udo Genth
Faßberg

„Ich färbe nur mit Pflanzen“, sagt Mareike Goltz. Sie zeigt auf Wollfäden, die farbig in ihrer Werkstatt hängen. Das Färben sei eine Wissenschaft für sich, meint die gelernte Textildesignerin.

Geboren wurde Mareike Goltz in Breslau. Seit 1984 wohnt sie mit ihrem Mann Werner, einem Konditormeister, auf einem schmucken Anwesen in Willighausen. Dort hat sie sich eine Werkstatt eingerichtet. Ihr Arbeitsmaterial Schnuckenwolle bekommt sie von Schäfern der Umgebung. Mithilfe ihrer Spinnräder – es sind „mindestens zehn“, wie sie sagt – verwandelt sie die Wolle in Fäden. Die bleiben zunächst „wollweiß“, wie die Farbe genannt wird. Dieses natürliche Aussehen wird am meisten nachgefragt, hat Mareike Goltz festgestellt. Sie stellt aus der Wolle Socken, Mützen, Pullover und Teppiche her. In früheren Zeiten wurde sogar Unterwäsche daraus angefertigt. „Furchtbar“, meint die Designerin und erinnert sich mit Schaudern an ihre eigene Kindheit. Die Schlüpfer hätten fürchterlich gekratzt, denn „nach Schnuckenwolle kommt gleich Stacheldraht“, meint sie im Nachhinein.

Seit uralten Zeiten wurden Pflanzen genutzt, um Textilien zu färben. Alle Pflanzen, die färbende Inhaltsstoffe enthielten, wurden unter dem Begriff „Färberpflanzen“ zusammengefasst. Erst ab dem 19. Jahrhundert wurden sie durch synthetische Farbstoffe größtenteils ersetzt. Heute erfolgt im Rahmen der allgemeinen Rückbesinnung zur Natürlichkeit eine vermehrte Hinwendung zu pflanzlichen Färbemitteln.

Einen Teil ihrer gesponnenen Wolle färbt Mareike Goltz mit pflanzlichen Stoffen. Dazu geeignet sind Zwiebelschalen oder Blüten beispielsweise von Tagetes und Chrysanthemen sowie Rinden und Wurzeln. Sie kocht die Pflanzen zu einem Sud und steckt dann die Wolle hinein. „Knöterich gibt ein schönes Jeansblau“, sagt Mareike Goltz, allerdings ist die Temperatur maßgebend. Meist werden die Farben unterschiedlich, wenn die Wolle in dem Sud - fachlich „Flotte“ genannt - über oder unter dem Siedepunkt eingebracht wird. Natürlich gilt es beim Färben auf weit mehr Eigenheiten zu achten und sind zusätzliche Arbeitsgänge nötig und durchzuführen. Mareike Goltz kennt sich darin bestens aus. Allerdings kann sie mit ihrem Wissen keine Reichtümer erwerben, aber ein gutes Gewissen bringt es schon - für ihre Kunden und sie selbst gleichermaßen.

Von Udo Genth