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Faßberg Mittelalter im Wildpark Müden passt
Celler Land Faßberg Mittelalter im Wildpark Müden passt
19:07 13.07.2014
Bei den Kämpfen der Ritter ging es auch heiß her. Viele Tiere wollten gefüttert werden. Unter dem Helm (rechts) steckt die 17 Jahre alte Jennifer Brülka. Quelle: Joachim Gries (2)
Müden (Örtze)

MÜDEN. Beim dritten Anlauf klappt es: Die Kinderschar kippt die Ritter um, die vorher noch in der Deckung ihrer Schilde wie eine Mauer gestanden hatten. Die Golddukaten, die die Kinder von ihrem Tun abbringen sollten, wurden erst nach vollbrachter Tat eingesammelt. Die edlen Ritter streiten noch ein wenig, wer von ihnen als erster umstürzte, doch schnell haben sie sich berappelt, zeigen Zweikämpfe mit Schwert und Schild und der Feuerspucker greift mit lodernder Flamme an.

Mittelalter im Wildpark Müden, das kam am Wochenende gut an. Der Zuspruch der Besucher sei gut, sagte am Samstagnachmittag Lothar von Owmund, Chef des Deutschen Schwertordens. Im wirklichen Leben heißt er Lothar Fittkau und kommt aus Bremen. Mit seinen 66 Jahren zählt er zu den Senioren, greift aber auch noch zum Schwert und kämpft mit. Nur an diesem Wochenende nicht, weil ein Knie noch geschont werden. So erläutert er, was die Männer und Frauen des Ordens gerade zeigen. „Bei uns gehen auch Frauen an die Waffe“, sagt er und zeigt auf die 17-jährige Jennifer Brülka, die unter dem Helm kaum als Frau zu erkennen ist.

Das Interesse der Zuschauer sei immer groß, wenn Gruppen kämpferisch auftreten, Fittkau. Er ist seit 1997 in der Mittelalterszene aktiv und gründete 2002 den Deutschen Schwertorden. Wer neu eintreten, müssen alles Schritt für Schritt lernen, die die jungen Mitglieder müssten sich unterordnen und zuhören, was die älteren sagen. „Wir wollen die Leute über das Mittelalter aufklären“, sagt Fittkau. Der Deutsche Schwertorden stelle das 13. Jahrhundert dar, da müsse alles stimmen, was äußerlich sichtbar ist, die Waffen, das Gewand. Armbanduhr geht also gar nicht. Mit zwölf Aktiven des insgesamt 60 Mitglieder umfassenden Vereins war der Schwertorden in Müden vertreten.

Insgesamt standen 20 mittelalterliche Zelte, etwa 50 Darsteller lebten das Mittelalter vor, zeigten altes Handwerk, brutzelten köstliche Mahlzeiten auf offenem Feuer und boten so einen interessanten Einblick. „Mehr gibt die Fläche einfach nicht her“, sagt Sabine Kalberlah vom Ritterbund Hartmann von Aue, der Gleichgesinnte bereits zum zweiten Mal in den Wildpark nach Müden gerufen hatte. Auch sie betont, dass sich das Angebot an die ganze Familie richtet. Von einem „irrsinnig schönen Ambiente“ spricht Holz-Claas oder Klaus Tolle, der geschnitzte Löffel anbietet und den Kinder von seinen Gänsen erzählt, die er als „Wachhunde“ aus Hermannsburg mitgebracht hat.

Thomas Wamser, Chef des Wildparks, ist zufrieden. Über 1000 Besucher kamen zum Mittelalterfest. So etwas müsse sich etablieren, er sehe den Park aber auf einem guten Weg. Als er ihn vor zwei Jahren übernahm, lag vieles im Argen. Mit Aktionen wie diesen könne man Besucher ziehen. Von seinen Mitarbeitern ist er begeistert, alle seien in das Mittelalter eingetaucht, hätten sich in entsprechenden Gewändern gekleidet und mitgezogen. Das sah bei der Flugshow, die am Wochenende je drei Mal gezeigt wurde, auch sehr authentisch aus. Auch Uhu, Falke oder Weißkopfadler gaben ihr Bestes.

Joachim Gries

Von Joachim Gries