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Faßberg Neue Ideen für alte Faßberger Siedlung
Celler Land Faßberg Neue Ideen für alte Faßberger Siedlung
16:53 05.11.2017
Von Simon Ziegler
Quelle: David Borghoff
Faßberg

35 angehende Bauingenieure, Geografen und Architekten nahmen an dem Seminar „Stadterneuerung“ teil. Dass sie ausgerechnet nach Faßberg kamen, war einem Zufall geschuldet. Städtebau-Professorin Maren Harnack, die das Seminar mit ihrer Kollegin Diana Böhm leitete, stieß im Urlaub in der Heide auf die Schwagenscheidt-Siedlung, die sie dort nicht erwartet hatte. Geboren war die Idee für ein neues Seminar – und eine mehrtägige Expansion in den Celler Nordkreis.

Walter Schwagenscheidt war ein Architekt und Städteplaner, dessen größte Leistung die Frankfurter Nordweststadt ist. Sein Konzept sieht eine lockere räumliche Anordnung von Häusern in parkähnlichen Grünanlagen vor. Das ist auch in Faßberg zu erkennen, wenngleich „man nicht weiß, wie es dazu gekommen ist, dass hier eine Siedlung gebaut wurde“, sagte Harnack.

In der Schwagenscheidt-Siedlung mit rund 260 Wohnungen gibt es einen hohen Leerstand von etwa 50 Prozent. Die unter Denkmalschutz stehenden Häuser sind in die Jahre gekommen. Wie kann man das Ensemble modernisieren? Was sind denkbare Impulse für die Gemeinde? Wie kann man Faßberg attraktiver machen?

Die Studenten hatten viele Ideen, wie sich bei der gestrigen Präsentation vor Vertretern von Rat und Verwaltung zeigte. Eine Gruppe schlug vor, ein kulturelles Zentrum rund um die Kirche und ein kommerzielles Zentrum rund um das Rathaus zu schaffen. Eine andere Gruppe regte an, die Grünbereiche im Ort als Treffpunkte stärker zu akzentuieren. Und eine dritte Gruppe sprach sich dafür aus, alte Bestandsbauten abzureißen, um für potentielle Gewerbebetriebe interessanter zu werden.

Die Studenten sollten ohne Grenzen im Kopf – Stichwort Finanzierung und Machbarkeit – ihre Ideen äußern. Das taten sie auch bei der Schwagenscheidt-Siedlung. Die Häuser seien prinzipiell attraktiver Wohnraum, weil sie im Grünen liegen und zentrumsnah sind. Problematisch sei aber, dass es einen klaren privaten Rückzugsraum nicht gibt. Die halböffentlichen Rasenflächen reichen bis an die Häuser heran. Gärten sind nicht vorhanden. Autos parken scheinbar überall, auch direkt neben einem Spielplatz. Eine klare Aufteilung der undefinierbaren Räume in private und öffentliche Flächen müsse her, wurde herausgearbeitet.

Andere Vorschläge sahen eine Veränderung der Grundrisse vor, um „zeitgemäßes und individuelles Wohnen“ zu ermöglichen. Über die Wegestruktur wurde nachgedacht. Über die Verbindungen der vier Komplexe in der Siedlung. Über ein Alt- und ein Neu-Schwagenscheidt.

Klar wurde, dass die Studenten erste Ideen geäußert haben, keine fertigen Konzepte. Die Frankfurter wollen am Ball bleiben. Am Ende des Semesters sollen ihre Ergebnisse für Faßberg stehen. Angedacht ist, dass dann eine Delegation erneut in die Gemeinde kommt, um die besten Arbeiten zu präsentieren.

Bürgermeister Frank Bröhl sagte, dass „er viele tolle Ideen“ gehört habe. Für ihn hat sich das Seminar schon jetzt gelohnt: „Wann hat man das schon, dass sich Studenten konzeptionell mit einer Gemeinde beschäftigen?“