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Faßberg Nun also doch: Faßberger Hakenkreuz-Glocke soll nicht mehr läuten
Celler Land Faßberg Nun also doch: Faßberger Hakenkreuz-Glocke soll nicht mehr läuten
04:06 22.02.2018
Von Christopher Menge
Faßberg

Der Kirchenvorstand der Faßberger Michaelkirche hat seine Meinung über den Umgang mit der Glocke, auf der ein zwei mal zwei Zentimeter großes Hakenkreuz und ein Luftwaffenadler abgebildet sind, geändert. Die Glocke soll jetzt doch ausgetauscht werden. Die Kosten für die neue Glocke übernimmt nach Angaben des stellvertretenden Pressesprechers der Landeskirche Hannover, Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann, die Landeskirche. Er geht von einem fünfstelligen Betrag aus.

„Zeitnah wird die Sanierung des Glockenstuhls und die Vorbereitung für die Aufhängung einer neuen Glocke in Auftrag gegeben“, heißt es in der offiziellen Erklärung des Kirchenvorstandes der St.-Laurentius-Kirchengemeinde Müden/Faßberg um Pastor Rudolf Blümcke. „Mit dem Beginn dieser erforderlichen Bauarbeiten wird die vorhandene Glocke endgültig außer Betrieb genommen.“ Der Verbleib der Hakenkreuz-Glocke werde Thema in Gesprächen sein, bei denen auch Fachleute für Erinnerungskultur beteiligt werden sollen.

Zuvor soll es aber wie bereits angekündigt im Frühsommer eine Bürgerversammlung geben, die die Kirchengemeinde gemeinsam mit dem Rat der Gemeinde Faßberg durchführt. In dieser Versammlung sollen den Bürgern die Ergebnisse der historischen Untersuchung von Mareike Rake, Leiterin des Landeskirchlichen Archivs, vorgestellt werden. Anschließend will der Kirchenvorstand gemeinsam mit den Gemeindemitgliedern und den Bewohnern Faßbergs den weiteren Umgang mit dem historischen Erbe erörtern. Die Michaelkirche war in der NS-Zeit vom Staat gebaut und im Jahr 1938 geweiht worden.

In den vergangenen Wochen hatte eine zehnköpfige Gruppe um Hans-Dietrich Springhorn und die stellvertretende Bürgermeisterin Angelika Cremer vehement dafür gekämpft, dass die Glocke aus der Zeit des Nationalsozialismus nicht mehr läutet. Die Gruppe hatte zuletzt auch Unterstützung aus der Landeskirche Hannover erhalten. Die Initiative Kirche für Demokratie und gegen Rechtsextremismus hatte bei einer Vollversammlung die Vorstände der Kirchen in Faßberg und Schweringen aufgefordert, ihre Hakenkreuz-Glocken auszuschalten. Im Turm der Kreuzkirche in Schweringen bei Nienburg hängt eine Glocke, die 1934 gegossen wurde und seitdem ein 35 mal 35 Zentimeter großes Hakenkreuz mit einer nationalistischen Inschrift trägt.

In Faßberg gab es allerdings auch einige, die die Idee des Kirchenvorstandes, eine zweite Glocke – verziert mit einem Zitat des von den Nazis ermordeten Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer – als akustisches Gegenstück zu installieren, befürworteten. Der stellvertretende Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes Hans-Jürgen Birk berichtete noch gestern, dass die Wortbeiträge in der Bürgersprechstunde deutlich gemacht hätten, „dass die (ursprüngliche; Anmerkung der Redaktion) Entscheidung des Kirchenvorstandes akzeptiert wird und weitere Maßnahmen nicht für erforderlich gehalten werden.“ Der Kirchenvorstand entschied sich nun aber doch für den Austausch der Glocke. Diese soll eine Inschrift tragen, wofür der Kirchenvorstand Vorschläge aus der Gemeinde erbittet.

In einem ersten Statement begrüßte Faßbergs Bürgermeister Frank Bröhl die Entscheidung des Kirchenvorstandes. „Es hat zuletzt einige erregte Diskussionen in der Gemeinde gegeben“, sagte der Verwaltungschef. Durch das Einschalten von Experten und dem Einberufen der Gemeindeversammlung solle „sich jeder Bürger in der Gemeinde ein eigenes Bild zu dem historischen Kontext machen können“.

Sonnenschein, blauer Himmel, angenehme Temperaturen: Ein Frühlingstag, wie er im Buche steht. Nur einen freute das Wetter eher weniger: Faßbergs Bürgermeister Frank Bröhl. Er vermisste den Schnee, auf den er bei der traditionellen Winter-Schnucken-Wette getippt hatte.

Audrey-Lynn Struck 19.02.2018

In die Diskussion um die Hakenkreuz-Glocke in der Faßberger Michaelkirche kommt Bewegung: Nun hat sich eine Initiative innerhalb der Landeskirche Hannover eingeschaltet und der zehnköpfigen Gruppe um Hans-Dietrich Springhorn und die stellvertretende Faßberger Bürgermeisterin Angelika Cremer Unterstützung zugesagt.

Carsten Richter 19.02.2018

Er hat schon Schlimmeres über sich ergehen lassen, um andere Menschen zu retten. "Das Helfersyndrom ist in mir drin", sagt Gerry Bachmann. Der Faßberger engagiert sich nicht nur seit 25 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr, sondern hat nun auch einem Menschen durch eine Stammzellenspende die Chance auf ein zweites Leben geschenkt. "Ich weiß nur, dass die Spende in Deutschland bleibt und der Mann etwa in meinem Alter ist", sagt der 46-Jährige, der die körperlichen Strapazen, die er bei Bränden auf sich nimmt, als deutlich schlimmer beschreibt. Die Spende sei daher für ihn selbstverständlich gewesen.

Christopher Menge 12.02.2018