Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Faßberg Ob Polen oder Allgäuer - alle kommen zum Müdener Markt
Celler Land Faßberg Ob Polen oder Allgäuer - alle kommen zum Müdener Markt
19:07 18.08.2017
Von Audrey-Lynn Struck
Müden (Örtze)

MÜDEN. Oft kommen sie mit ihrer ganzen Familie, um ihren Lieben Einblicke in ein Stück aus ihrer Vergangenheit zu gewähren.

Den 46-jährigen Michael Glück verschlug es im Alter von 20 Jahren zur Bundeswehr. Von dort aus ging es dann nach Stettin in Polen, wo er seine Frau kennenlernte. Zurück nach Müden war keine Option. Er blieb und gründete eine eigene Firma. Mittlerweile hat er drei Söhne, die zweisprachig aufwachsen. "Wir sind extra aus Polen angereist, um bei diesem Jubiläum dabei sein zu können", erzählte Glück.

Vor allem für seine beiden jüngeren Söhne Christian und Benjamin hatte der Markt viel zu bieten. "Das Highlight ist natürlich das Karussell. Das gab es zu meiner Zeit auch schon", erinnerte sich der 46-Jährige. Sein Sohn Dominik ist für das Karussell längst zu alt. Er ging wie seine jüngeren Brüder auf eine internationale Schule in Polen und studiert mittlerweile in Deutschland. "Papa erzählt immer wieder von früher. So eine Tradition wie der Müdener Markt ist sehr schön", so der Student.

Jedes Jahr findet einen Tag vor Eröffnung des Laurentius-Marktes das Grundschul-Klassentreffen der Jahrgänge 46 und 47 statt. Der 70-jährige Günther Weckbach nutzt diese Gelegenheit, um fast jedes Mal in seine Geburtsstadt zurückzukehren. Bis zur 4. Klasse lebte er in Müden, bis sein Vater 1956 von der Bundeswehr ins Allgäu stationiert wurde. Der Rest der Familie mit dem kleinen Günther zog mit. Müden konnte er trotzdem nie ganz vergessen. Er ist jedes Mal froh, wieder hier zu sein. "Es ist wie ein großes Familienfest. Man trifft die Leute, die man lange Zeit nicht gesehen hat", so Weckbach.

Seine Frau Luise musste schmunzeln. Sie erklärte, dass oft viele ehemalige Freunde und Bekannte von ihrem Mann während ihres Markt-Spaziergangs auf sie zukommen. Dann sei das Hallo natürlich groß. "Die bleiben plötzlich stehen und sagen, ach du bist ja der Günther", erzählte die 65-Jährige. Für sie war der Markt beim ersten Mal recht ungewohnt. Bei ihr in Bayern laufe das ganz anders ab. "Bei uns gibt es kein Weinzelt, sondern nur Bierzelte. Und dann wird auch nicht aus Gläsern, sondern aus richtigen Krügen getrunken", berichtet Luise Weckenbach. Über 20, 30 Jahre hinweg hat das Ehepaar die Entwicklung des Müdener Laurentius-Marktes hautnah miterlebt. Der Markt wurde größer. Einige Stände kamen, andere gingen.

Für den 70-jährigen Munsteraner Gerhard Crone hat sich auch so einiges verändert. Den Markt seiner Kindheit gäbe es heute nicht mehr. Früher wäre es noch ein "richtiger Handwerkermarkt" gewesen, der sich mittlerweile zum Jahrmarkt verändert habe. "Der ursprüngliche Charakter ist langsam in den Hintergrund getreten", erzählte Crone. Viele Stände seien heute mehr auf Konsum ausgelegt und sehen dadurch alle ähnlich aus.

Obwohl Crone diese Veränderung bemängelt, kommt er trotzdem immer wieder gerne auf den Müdener Markt. "Immer wenn hier was los ist, zieht es uns nach Müden", so seine Frau Gerda. Der Munsteraner Gerhard Crone erklärt: "Die Atmosphäre ist entspannt und das ganze Dorf ist mit beteiligt. Das ist schon was wert." (als)