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Faßberg Schönheit in Lyrik und Musik
Celler Land Faßberg Schönheit in Lyrik und Musik
17:35 01.02.2010
Bereitwillig signiert Fredun Kianpour Exemplare seines Erstlingswerkes "Nachleben". Quelle: Udo Genth
Faßberg

Dem rührigen Kulturkreis Faßberg ist es am Sonnabend gelungen, einen ungewöhnlichen Abend zu präsentieren – ungewöhnlich und anregend. Ungewöhnlich war die Verbindung von einem musikalischen Genuss und einer Buchvorstellung, weshalb folgerichtig ein „Klavier- und Literaturabend“ angekündigt wurde. Anregend, weil der Buchautor Fredun Kianpour auch den musikalischen Part am Flügel gestaltete.

Fredun Kianpour wurde 1973 in Frankfurt am Main geboren, studierte Klavier an der Musikhochschule Hannover und trat zehn Jahre lang als Pianist auf.

Anschließend wechselte er seinen Beruf und wurde Unternehmensberater. Nun also stellte er sein erstes Buch vor. Er hat es nach eigenem Bekunden in viereinhalb Jahren in der „Patchwork“-Methode verfasst, also nicht kontinuierlich schreibend, sondern abschnittweise springend. „Davor wird in allen Seminaren gewarnt“, lachte Kianpour während der Erläuterungen, die er zwischen den einzelnen Lese- und Musikstücken gab.

Ob die etwas unorthodoxe Schaffensart aus dem Inhalt des Buches resultiert oder es sich gerade umgekehrt verhält, mag dahingestellt sein. In seinem Buch „Nachleben“ vermischen sich zwei Geschichten, die in unterschiedlichen Zeitebenen spielen. Ein Handlungsstrang läuft in der Zeit von 1929 bis 1949 ab, der zweite genau 50 Jahre später. Im Mittelpunkt steht der Pianist Artur. Der ist eine kleine Hommage an den großen Pianisten Artur Rubinstein, verriet der Autor, trägt dabei allerdings ebenso autobiografische Züge. Das ist wohl bei vielen Erstlingswerken der Fall, dient hier jedoch zur Verdeutlichung der Umwelt der Hauptfigur. Daraus erwuchs zudem die Originalität des Abends, denn weil in seinem Buch viel von Musik die Rede ist, setzte sich der Autor Fredun Kianpour nach einzelnen Leseabschnitten an den Flügel und spielte kleine Stücke von Skrjabin, List und Chopin. Diese musikalischen Einschübe wirkten wie Durchlässe zu den verstrickten Handlungsabläufen.

Es blieb unentschieden, ob Kianpour mehr durch seine gefühlvollen pianistischen Einlagen oder die bemerkenswerte lyrische Schönheit des Textes beeindruckte. Die jedenfalls berührte mehr als die Grundidee des Buches. Die lässt den Klavierspieler Artur ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod 1949 auferstehen, wobei es ihm zunächst nur ein mühsames Orientieren gelingt. Dadurch ist zwar der Buchtitel „Nachleben“ gerechtfertigt, der Übergang jedoch zur fiktiven Zeit davor, in der die Nazis eine dominierende Rolle spielen, will nur bedingt überzeugen.

Mit der zweiten Ballade von Chopin mit ihren Tempibrüchen und teilweise eigenwilligen Tonartwechseln setzte der schrifstellernde Pianist im wahren Wortsinn den Schlussakkord.

●Das Buch: „Nachleben“ von Fredun Kianpour, Ruge-Verlag Frankfurt/M, 3030 Seiten 7,95 Euro, ISBN 978 3000 264 566.

Bereitwillig signiert Fredun Kianpour Exemplare seines Erstlingswerkes „Nachleben“. Foto: Genth

Von Udo Genth